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Rückblick auf die abnormen Lebenserscheinungender Pflanzen in Bezug auf deren Verhütungund Heilung.
§. 261 .
Wenn wir die in diesem Kapitel aufgezahlten abnormen Ver-hältnisse des Pflanzenlebens überblicken, so finden wir, daß alleTheile der Pflanzen mißgestaltet werden und in einen krankhaftenZustand übergehen können. Trvh dem einfachen Bau der Ge-wächse, find doch die Mißbildungen und Krankheiten derselbensehr mannichfaltig, und namentlich die erster« kommen viel häufi-ger und zahlreicher im Pflanzenreiche als im Thierrciche vor.Dieses möchte wohl daher rühren, daß — während bei dem Thier-körper entweder alle Organe schon bei seiner Geburt, wenigstensin der Anlage vorhanden sind, oder wo sich, wie bei den Batra-chiern und Insekten, neue Organe hinzubildcn, dieses doch immernur einmal bei dem Eintreten einer neuen Vcrwandlungsstufe ge-schieht — bei den Pflanzen dagegen nicht allein mit dem Beginnejeder neuen Vegetationsperiode, sondern selbst wahrend des Ver-laufes derselben fortwährend neue Organe erzeugt werden. Dabeikönnen nun weit mehr Wechselfälle eintreten, so daß eine unddieselbe Pflanze zu einer Zeit völlig normal gebildete Organe be-sitzen , zu einer andern Zeit aber eine Veränderung der äußernEinflüsse auch eine abnorme Entwickelung der Organe herbeifüh-ren kann.
Es geschieht dabei zwar oft, nachdem einmal eine abnormeBildung der Theile eingetreten, daß diese in den folgenden Vege-tationsperioden wiederkehrt und sogar durch die Aussaat sich fort-pflanzt; aber es läßt sich durch die Entfernung der Einflüsse,unter welchen die Mißbildung entstanden ist, die Neigung zu derenHervorbringung gewöhnlich aufheben, und dadurch die Pflanzewieder zur Erzeugung normal gebildeter Organe bestimmen. Esist daher möglich, durch Vermeidung oder Beseitigung der Ursa-chen die Pflanze von ihrer Anlage zur Mißbildung wirklich zuheilen. So lassen sich z. B. die Mißbildungen, deren Entstehungauf einer üppigen Ernährung beruhen (wie die fleischig verdicktenWurzeln der Rübe, Runkelrübe und Mohre, die knolligeAnschwellung des Stengels der Kohlrabe, die krausen und