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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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ersten, von dem bloßen äußern Ansehen hergenommenen Ein»theilungsgrund der Pflanzen in Bäume, Sträucher und Kräuterfestzuhalten.

§. 363 .

Im Gebiete der Naturlehre der Pflanzen wurde auch in die-sem Zeitraume Manches geleistet. ES waren aber meist physiologi-sche Untersuchungen, welche die Phytvnomen beschäftigten; in derAnatomie der Pflanzen ward dagegen wenig") und in der Pflan-zenchcmie fast gar nichts gethan. Viele Beobachtungen wurdennamentlich über die Fortpflanzungsorgane und das BefruchtungS-geschäft angestellt. So suchte der Engländer Samuel Morland(im I. 1703) darzuthun, daß der Staub §er Antheren (der Pol-len) das befruchtende Princip sey, und daß das Pistill eine Röhrebilde, durch welche dieser Staub, nachdem er von den klebrigen Haa-ren der Narbe festgehalten worden, bis zur Frucht hinabdringe *). Eben so ward das doppelte Geschlecht der Pflanzen von demChemiker Etienne FranxoiS Gevffroy bestätigt, der jedochin den Pvllenkügelchcn einen unsichtbaren Keim annahm und glaubte,daß in der Samenblase oder dem Eierstock eine Oeffnung zur

-- Daß man die Zergliederung der Gewächse so sehr vernachlässigte,hatte seinen Grund darin, daß nicht allein die Werke der großenPhytotvmen Grew, Malpighi und Leeuwenhoek zu wenig,namentlich in Deutschland, gekannt waren, sondern daß man sogarden Gebrauch der Mikroskope und die vermittelst derselben gemach-ten Entdeckungen, als auf bloßer Täuschung beruhend, verdächtigenwollte. Unter den Gegnern der mikroskopischen Untersuchungenzeichneten sich besonders Giov. Jeron. Sbaraglia, Professor zuBologna, und Fontenelle, Mitglied der pariser Akademie, aus.Der Erstere eiferte (Oeuloium et vi^ili»«. Lo»o»ii»e 1704)

gegen den Gebrauch der Mikroskope überhaupt, und ging so weit,das Daseyn der Spiralgefäste und der Markstrahlen geradehin »uläugnen; der Lcztere erklärte vor der Akademie («ist. -i- l'.4eaä.äe« »e. <Ie küri», 171t, p. 43), daß die Lehre von den Gefäßen derGewächse sehr zweifelhaft und der Gebrauch der Mikroskope un-statthaft sey, weil dieselben oft nur das zeigten, was der Beobach-ter sehen wolle. Solche Zweifel reichten in jener Zeit hin, umMißtrauen zu erwecken und von dergleichen mühsamen Unter-suchungen abzuschrecken.

') kl-Ua-j. '1'r»u-iL<-t. V»I. 23, diro. 2U7.

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