Rennest unterscheidet zwei Arten von Strömungen. Die erste Art,welche blos der Effekt des Windes auf die Oberfläche des Wassers ist,belegt er mit dem Namen Drikt Onirent; und der zweiten Gattung, ausder Wassermasse bestehend, die von der ersten Strom-Gattung in EinemBette versammelt worden ist, in welcher sie ihren Weg, wie ein ungeheu-rer Fluß mitten durch den Ocean fortsetzt, giebt er den Hainen KtreumOurvent. Jene Bewegung des Wassers wollen wir Drift-Strömung,diese Seestrom nennen, indeß unter dem Ausdruck Strömung, oderMeeresstrom, das ganze Phänomen verstanden wird.
Beide Arten der Meeresströme sind häufig mit einander verwechseltworden, obwol sie ihrer Beschaffenheit nach sehr verschieden sind. Dadie erste Gattung nur durch den äußern Einfluß eines herrschenden Win-des auf die Oberfläche entsteht, so ist die Triftströmung nur seicht undlangsam und kann in keiner andern Richtung laufen, als derjenigen,welche der Luftstrom ihr anweist; die andere Gattung dagegen ist einwahrer oceanischer Fluß, der 5V bis 25» gevgr. Meilen breit und so tiefsein kann, daß er von Bänken, die 4ü bis 5« Faden unter dem Wasser-spiegel liegen, bald aufgehalten, bald in seinem Laufe abgelenkt wird,und mit einer Geschwindigkeit fließt, welche die der Hauptströme desfesten Landes., in ihrem gewöhnlichen schiffbaren Zustande, bisweilenübertrifft. Auf diese Meeresströme übt daher der Wind keinen Einflußaus, wenigstens nicht auf die Hauptmasse, vbschon es wol an seinenRändern der Fall sein kann. Einige von ihnen dehnen ihren Lauf übereine Länge aus, die aus Unglaubliche gränzt und bewirken einen gegen-seitigen Austausch der Wasser selbst der entferntesten Gegenden derOceane, wie z. B. zwischen dem Indischen Meere und dem AtlantischenOcean, rund um das Vorgebirge der guten Hoffnung, so daß die Wasser,welche ursprünglich die Küsten von Arabien und Südafrika bespülten,der Reihe nach an die Küsten von Süd- und Nordamerika, an die Azo-rischen Inseln und zuweilen sogar an die Gestade von Europa schlagen.Das nördliche Eismeer (und durch dasselbe wahrscheinlich auch der StilleOcean) sendet Wasser in den Nordatlantischen Ocean; aber der zuletztgenannte empfängt nur Wasser, und theilt (äußer seinen eigenen Ange-hörigen) andern Meeren keins mit, weil er beständig Abgang hat, theilsdurch die Versorgung des Mittelländischen Meeres, theils durch dieVerdunstung der heißen Wasser, welche der Golfstrom von Florida aus-schüttet.
Stellen wir uns die Erdoberfläche in ihrem ursprünglichen Zustande,nur mit Wasser bedeckt vor, so läßt es sich denken, daß dieselbe Ursache,