TUERKISCIIE ORNAMENTE.
in der Eintheilung der Form, und in allen den Principien der Ornamentation, eine eben so grosse Vollkom-menheit als man in den ausgearbeitetsten und wichtigsten Verzierungen findet.
Die einzigen vollkommenen Muster der Ornamentation findet man in den türkischen Teppichen; dieseaber werden meistens in Kleinasien angefertigt, und wahrscheinlich nicht von türkischen Künstlern. DieZeichnungen sind durchgehends arabisch, und unterscheiden sich von den persischen Teppichen dadurch,dass das Blattwerk auf eine conventionellere Weise behandelt ist.
Wenn man Tafel XXXVII. mit Tafeln XXXII. und XXXIII. vergleicht, wird man leicht die Verschie-denheit der Stylarten bemerken. Zwar verkünden sich durchgehends dieselben Principien der Eintheilungder Form, doch sind einige geringere Verschiedenheiten in denselben bemerklich, die wir hier angebenwollen.
In den arabischen sowohl als in den maurischen Stylarten hatte die Oberfläche der Ornamente nur einesehr geringe Rundung, und die Ausschmückung der Oberfläche geschah mittelst Linien, die in die Ober-fläche vertieft wurden; oder wo die Oberfläche schlicht bleiben sollte, erzeugte man Muster auf Muster mitHülfe der Malerei.
In den türkischen Ornamenten, im Gegentheil, ist die Oberfläche ausgeschnitzt, und dieselben Ornamente,welche im arabischen Manuscript, Tafel XXXIV., mittelst gemalter schwarzer Linien auf goldenen Blumenerzeugt wurden, sind hier auf der Oberfläche ausgeschnitzt, so dass der Effect bei weitem nicht so kühn ist,als der welcher aus dem vertieften Blattwerk der arabischen und maurischen Verzierungsweisen entsteht.
Eine andere Eigentümlichkeit, welche beim ersten Blick ein türkisches Ornamentsstück von einemarabischen unterscheidet, ist der Missbrauch den die Türken vom einspringenden Winkel A A, machten.
Dieser Winkel ist auch ein hervorragendes Merkmal in dem arabischen, aber ganz besonders im persischen Styl. Vide Tafel XLVI.
Bei den Mauren aber bildet er nicht länger den charakteristischen Zug der Verzierung, sondern kommtnur ausnahmsweise vor.
Dieselbe Eigenthümlichkeit wurde in die elisabetheische Omamentationsweise, aufgenommen, die, mittelstder Eenaissance in Frankreich und in Italien , vom Morgenland abgeleitet wurde, und zwar als Nachbil-dung der zu jener Zeit so allgemeinen damascirten Arbeit.
Tafel XXXVI. zeigt, dass die schwellende Kundung immer an der innern Seite der Spiralkrümmung desHauptstammes vorkommt; im elisabetheischen Ornamente aber befindet sich dieselbe eben so oft an deräussern als an der innern Seite.
Es wäre schwer, ja fast unmöglichen Worten die Verschiedenheiten in Verzierungsweisen anzudeuten, diesich durch eine so starke Familienähnlichkeit auszeichnen, als die persischen, arabischen und türkischenStylarten; und doch entdeckt das Auge diese Verschiedenheiten eben so leicht, als es eine römische Bild-säule von einer griechischen unterscheidet. Obwohl die Hauptprincipien in den Stylarten der Perser, derAraber und der Türken sich gleich blieben, findet man doch verschiedene Eigentümlichkeiten in denVerhältnissen der Massen, mehr oder weniger Anmuth in der Wallung der Krümmungen, eine Vorliebe zugewissen Richtungen der Hauptlinien und eine besondere Weise im Verflechten der Formen, während dieallgemeine Form des conventionellen Blattwerks durchgehends dieselbe ist. Der Grad der Fantasie, derZartheit oder Rohheit, der sich im Entwürfe darthut, unterscheidet aufs unfehlbarste die Werke des ver-feinerten und geistreichen Persers von denen des nicht minder verfeinerten, aber zugleich bedachtsamemArabers oder des unerfinderischen Türken.
Tafel XXXVIII., die einen Theil der Ausschmückung an der Kuppel des Grabes Solimans I. zu Con-stantinopel darstellt, bildet, so viel wir wissen, das vollkommenste Muster der türkischen Verzierung, undkommt beinahe den arabischen Mustern gleich. Noch ein anderer Zug in den türkischen Ornamenten istdas Vorherrschen der grünen und der schwarzen Farben; eine Eigenthümlichkeit, die man auch in denmodernen Decorationen von Kairo bemerkt. Grün ist aber nicht so vorherrschend in den ältern Mustern,wo Blau vorzüglich gebraucht wurde. 63