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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
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man die Tonhöhe, welche das Geschütz heim Anschlägen gab.Aus einem sorgsamen Vergleiche mit einem musikalischenInstrumente fand man, dass diese während der ersten 150Schüsse um 1 ( / 2 Ton stieg, dann aber bei einer langen Reihevon Schüssen sicli nicht weiter veränderte; dagegen blieb beiGeschützen, die mit steigender Ladung bis zum Sprengen be-schossen wurden, der Ton von Anfang bis zuletzt unverändert.So scheint nach einigen allerdings isolirten Beobachtungen, eisernesGeschütz auch schon durch längeren Landtransport geschwächtwerden zu können. Dass übrigens eine für bestimmte Er-schütterungen nicht ausreichende Elastizität, die also nachder Erschütterung die Lage der Theilehen nicht immer genauwieder herstellt, die primitive Kohäsion allmählich so schwächenkann, dass sie nun von jenen Erschütterungen überwundenwird, unterliegt wohl keinem Zweifel.

Damit die Seele sich sowohl im Allgemeinen als auch ineinzelnen Stellen nicht frühzeitig erweitere, muss dass Metallabermals steif sein, weil Ausbauchungen und Verdichtungendes Metalles von innen nach aussen gehen, also Erweiterung derSeele herbeiführen; es muss ferner wo möglich härter sein alsdas Geschoss (weshalb diess nicht über die Gebühr hart seindarf); es muss dabei durch die Hitze, wie sie ihm eine wie-derholte Pulververbrennung mittheilt, nicht geschmolzen, auchnicht brüchig werden, und es muss endlich den chemischenWirkungen, welche der Pulverrückstand herbeiführt, und dienamentlich durch Einwirkung von Schwefelkalium und einerfein vertheilten schwachen Auflösung von kohlen-und schwefel-saurem Kali hervorgebracht wird, widerstehen können.

Es ist allerdings kaum zu hoffen, dass alle diese Eigen-schaften sich irgend jemals in höchster Schärfe in einem ein-fachen Metalle oder auch nur in einer Legirung mehrerer fin-den werden. Doch wird man auch selbst dann, wenn man inBezug auf eine oder die andere Eigenschaft einige Nachsichtgestattet, immer noch kein Metall erhalten, das obigen Bedin-gungen entspricht, weil das Maximum aller Eigenschaften nureinem Metall zukäme, das ein immerdauerndes, sich stets gleichbleibendes Geschütz geben würde.

In wiefern die bis jetzt üblichen Geschülzmetalle den oben-gestellten Auforderungen entsprechen, darüber haben sich in