Buch 
Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
Entstehung
Seite
8
JPEG-Download
 

8

genauen Schusses bedurfte, wo man ein langsam zusammenbren-nendes, aus unreinen Materialien bereitetes Pulver und Kugelnvon Stein anwandte, genügten diese unbehülflichen, sehr schlechtgescliweissten, ungebohrten und an vielen Stellen im Eisenverbrannten Rühre allenfalls, doch sprangen sie auch nicht sel-ten. 1414 wurde der Herzog von Crossen von einer Don-nerbüchse erschlagen. Von 5 grossen Büchsen, welche dieHussiten 1422 vor Carlstein hatten sprang, eine beim 6ten,eine beim 7ten, eine beim 32sten Schüsse. 1428 sprangen vorBologra zwei eiserne Wurfkessel, eben so 1438 vor Piombino,und 1452 vor Castiglione, die höchst wahrscheinlich von ge-schmiedetem Eisen gefertigt waren. Bei der Belagerung vonKonstantinopel durch die Türken riss eine Bombarde, die 450Pfd. Stein schoss, beim ersten Schüsse auf und erschlug vieleMenschen. Jacob den Ilten von Schottland soll 1460 bei derBelagerung von Roxburg eine springende Bombarde getüdtethaben. 1467 sprang ein grosser Wurfkessel bei Lüttich. Aucherzählen ältere Schriftsteller, z. B. Miethen, Sarti u. s. w.,dass die geschmiedeten Geschütze beim schnellen Schiessenhäufig gesprungen seien. Doch glaubte man sie durch Ein-schmieren mit Oel davor bewahren zu können.

Je mehr die Artillerie nun im Laufe der Zeit ausgebildetwurde, desto mangelhafter mussten diese Geschütze erscheinen;man ging zwar von den sehr grossen Kalibern ab, und er-leichterte dadurch die Fabrikation des Geschützes einerseits,aber zugleich auch forderte man grössere Genauigkeit, manführte die härteren eisernen Kugeln allgemein ein, man brauchteeine grössere Zahl von Geschützen oft in kurzer Zeit, manschoss rascher, und so wurden dann die langsame und schwie-rige Fabrikation (die man durch die Anbringung der nun sitte-werdenden Schildzapfen noch um Vieles erschwerte), dasweiche Material, die Unzuverlässigkeit der Schweissungen, daskaum zu vermeidende Verbrennen einzelner Tiieile die Ur-sachen, warum man schon in der Mitte des 15ten Jahrhundertsvon dem Schmieden abging und gegossene Geschütze einführte.Dennoch kam man in allen Jahrhunderten immer wieder aufdas Schmieden zurück, in der Hoffnung, durch die indess wei-ter vorgeschrittene Metallurgie die Schwierigkeiten besiegenzu können, die sich früher unüberwindlich gezeigt.