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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
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krona sprangen 1798 und 99 mehrere Geschütze nach AdmiralChapmans Konstruktion, die sehr stark an Eisen waren unddie Probeschüsse ausgehalten hatten, unter andern ein 36 undSOPfiler, der viele Menschen beschädigte. Die Franzosen,durch die in Deutschland eroberten Geschütze aus schwedischemEisen von grosser Vorliebe für dieses Material eingenommen,wollten Vergleichs-Versuche mit schwedischem und französi-schem eisernen Geschütze anstellen. Sie probirten daher einen6 Pfder nach Konstruktion des Generals v. Hellwig. VomCPfder brach bei % kugelschwerer Ladung beim 242sten Schussein Schildzapfen ab, und beim 747sten Schuss sprang er in 3Stücke. Beim 7ten Schuss vor dem Springen entsand ein Spaltdurch das Zündloch, obwohl es nicht verschraubt war. Beim24Pfder fing schon nach 47 Schuss das Zündloch an, auszu-brennen, und beim 259sten Schuss sprang das Geschütz in 6Stücke. Es war uns nicht möglich, in Schweden aus denSchmelzbüchern der Hütten, die die Geschütze gegossen, dieGründe dieser geringen Haltbarkeit mit Bestimmtheit zu ermit-teln; es schien aber, als sei der 6Pfder bei zu gaarem Gangegegossen und habe daher zu graues Eisen gehabt; seine Probe-stange (siehe weiter unten) war sehr schwach gewesen. DieHütte gab auf Befragen folgende Gründe an:

1) es seien in den vorhergehenden Jahren wenige Ge-schütze gegossen worden;

2) es mussten andere Erze als zum Geschütz bewährtengenommen werden, man goss aber andere Artikel und konntewegen der wenigen Geschütze den Ofengang nicht ändern;

3) es war noch zu früh nach Anblasen des Ofens ge-gossen worden.

Bei der Belagerung von Colberg und bei einem spätemProbiren sprangen mehrere Geschütze bei der gewöhnlichenLadung, die höchst wahrscheinlich zu den unter Friedrich demII. in Schweden gegossnen gehörten. Da sich die andern zu-gehörigen Geschütze in Neisse und in andern Festungen bisheute aber sehr gut bewährt haben, so wird man veranlasst,diess Ereigniss nicht der Schlechtigkeit des Materials, sonderndem Umstande beizumessen, dass diese Geschütze vor der Be-lagerung sehr lange Zeit auf den Wällen und zwar zuletzt ganzmit Erde bedeckt gelegen haben, so dass man sie bei der Mo-

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