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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
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und Dänemark^ wo die Legirung auf 100:10 fesfgestellt war,erhielt man ein allen Anforderungen genügendes Geschütz, undbei den Analysen ergab es sich, dass der Zinngehalt im Mit-tel immer unter der Vorschrift «wischen 8,0 bis 9,5 gebliebenwar. Ein kundiger Offizier versichert, dass, als man in Däne-mark deshalb das Analysiren der Legirung befohlen und dieGiesserei dadurch genüthigt worden sei, mehr Zinn zuzusetzen,die Geschütze bei. übrigens gleichgebliebener Gussprozedur sichsehr verschlechtert hätten, was mit eine der Veranlassungenfür Dänemark gewesen sei, das Bronzegeschütz ganz anf«uge-ben und eisernes, selbst für den Feldgebrauch, einzuführen. Be 1einem Versuch in Toulouse 1827 (s. u.) mit kurzen 24Pfdern.,sprang einer, der 16,33 Prozent Zinn hatte, beim ersten star-ken Schuss, einer, der 15,70 Prozent hatte, beim 3ten Schüsse,die andern, die 11 hatten, rissen auf. In neuerer Zeit wollteman in Frankreich trotz dem zu der Legirung von 100:13, javon 100 : 14 zurückgehn. Es ist nicht geschehen.

Diess sind die Erfahrungen über die Legirungen von Ku-pfer, Zinn und Zink, die wir aufilnden konnten; die Resultate,die wir aus diesen ziehen zu können glauben, -werden wir wei-ter unten vorlegen. Die Versuche mit Legirungen, wo nochandere Metalle zum Kupfer hinzutreten, haben wir, um die Er-scheinungen des reinen Bronzes deutlicher übersichtlich zu ma-chen, in einen eigenen Abschnitt zusammen gefasst.

Das Formen der Geschütze geschah bis in die neuereZeit durchgehend in Lehm, und bis in die Mitte des vorigenJahrhunderts über den Kern. Man hielt die Formmethode an-fangs sehr geheim, aber dass über den Kern gegossen ward,sagt Franz San ese schon 1482. Die deutschen Giesserscheinen in der Kunst zu formen Meister gewesen zu sein, undfliese Kunst war um so wichtiger, weil die Geschütze damalsnach dem Gusse, so wie die Glocken, von deren Fabrikationman ausging, äusserlich nicht weiter bearbeitet worden unddoch mit sehr vielen, oft höchst zierlichen Basreliefs geschmücktwaren. Ihr Hauptkunstgriff scheint darin bestanden zu haben,dass sie die Formen und Kerne nicht, wie es 'die Giesser an-derer Länder thaten, ausbrannten, sondern sie an der Sonne sehrallmählich trockneten, wozu sie meist drei Jahre bedurften. Sieerhielten dadurch auch ein dichteres Bronze und eine gallenfreie