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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
Entstehung
Seite
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Seele; wo die Kerne durch Brennen nur oberflächlich trockenwaren, entstanden tief gehende Gallen in der Seele, diese bohrtedann der Giesser nach Gutdünken aus. Durch diese Vermin-derung der Metallstücke und das mit den Gallen immer gleich-zeitig eintretende Lockerwerden des Bronzes sprangen sehrviele Geschütze. Das Verfahren beim Zusammensetzen derForm war anders als es jetzt üblich ist. Bei grossem Geschützwurde erst die Form, dann die Traube in der Dammgrube be-festigt und dann die Form darauf gebracht. Beim kleinen Ge-schütz wurden beide Theile vor dem Einbringen in die Grubevereinigt. Der Kern war ein aus gutem, meist schwedischemEisen geschmiedeter, abgestumpfter Kegel, dessen unteres Endeeinen um y 3 geringeren Durchmesser hatte, als das obere; manmachte ihn gern so dünn, als es ohne Gefahr des Verziehensmöglich war. Man bestrich das Eisen erst mit Aschenbrei,oder bespann es mit einem Drathnetz, machte dann durch ei-nen Auftrag von Zierlehm den Kern cylindrisch, Hess ihn aberkleiner, als die Seele werden sollte, und schlichtete nach demTrocknen mit Kreide, Asche und Milch. Das Drathnetz wurdeoft dadurch schädlich, dass es sich in das Bronze mit eingoss.In der Form wurde der Kern gehalten unten durch ein Kranz-eisen, einen Kaliber über dem Zündloch, da wo sonst eineeigne Friese dazu angebracht war, oben zwischen Kopf undverlorenem Kopf vermittelst einer Zinnscheibe, die in einem eig-nen Falze lag, und dann noch durch ein oberes Kranzeisenüber dem verlornen Kopf. Nach der ältesten Einrichtung wurdedas obere Kranzeisen im Kopfe angebracht, und hinterliess dortLöcher; deshalb hatte man die genannte Veränderung seinerStellung und die Zinnscheibe, die wegschmolz, angebracht. Dasuntere Kranzeisen war in den deutschen Giessereien von wei-chem Eisen und bestand aus einem Ringe, der wieder mitausgebohrt wurde, und drei Stäben, die gewunden wurden, da-mit sich das Metall besser darum setzte und im Geschütz bliebeSie wurden befeilt und gut verzinnt. War diess untere Kranz-eisen zu schwer (über 4 Pfund), so wurde es nach der Mei-nung der alten Artilleristen, Veranlassung zum Springen desGeschützes. In den französischen Giessereien scheint es vonhartem, also leichterflüssigem Bronze gefertigt gewesen zusein, Der Kern wurde nun zuerst in das untere Kranzeisen

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