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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
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eingesetzt, die Zinnscheibe darüber geschoben, diese in dennach oben dienen Falz des Kopfes eingelegt, die Form desverlornen Kopfes, die meist nur zwei Kaliber hoch war, da-raufgestellt, das obere Kranzeisen befestigt, der Kern darinverkeilt und dann ein langer Keil durch eine Oeffnung des obenvorstehenden Tlieils der Kernstange geschlagen. Eine Zeit hinggoss man in Frankreich, um einen stärkeren Druck des verlor-nen Kopfes zu erhalten, die Geschütze mit der Mündung nachunten, der verlorne Kopf wurde dadurch an 30 Ctr. schwer,allein das Bodenstück fiel dabei so schwammig aus und dieTraube brach so oft ab, dass man es aufgeben musste. Umeinen gallenfreien Guss zu erhalten, wendeten die GebrüderKeller, wie es scheint zuerst, zu Ende des 17ten Jahrhun-derts das Steigerohr an, wodurch das Metall im Bodenstück indie Form trat und allmählich darin aufsfieg. Diese Methode hatsich nicht bewährt; sie wurde wiederhohlt versucht, gab aber,statt Blasen zu verhüten, meist mehr als der Guss von oben.Man wendet sie dennoch noch bei grossem Mörsern, die überden Kern gegossen werden, an. Durch die Verbesserungen,welche Montalembert und Maritz in der Methode des Boh-rens (h. unten) Vornahmen, wurde seit 1744 das Giessen überden Kern für die Kanonen ganz verdrängt; jedoch sah mansich genöthigt, beim Guss grosser Mörser das Massivgiessenidas auch hier seit 1748 versucht worden war, wieder aufzu-geben und wieder einen, wenn auch kleineren Kern, als ersonst üblich war, einzuführen, theils Aveil sich die so gefer-tigten Mörser unhaltbar zeigten, theils weil die Arbeits-undUmschmelzkosten, bei der verhältnissmässig grossen Menge desauszubohrenden Metalls, zu gross wurden; selbst die Erleichte-rung, welche man sich durch Anwendung von Sand krönen beimMörserguss verschaffen w'ollte, zeigte sich bei den Versuchenvon 1807 als nachtheilig für die Haltbarkeit. Dass man, umder geringen Güte der neuen Geschütze abzuhelfen, mehrmalsversuchte zum Kernguss zurückzugehn, der der Bildung derZinnflecke begegnen sollte, dass sich aber kein günstiger Er-folg gezeigt, sagte ich schon oben.

1793, wo in Frankreich ein grosser Bedarf an Geschützentstand, und die Lehmformerei die Fabrikation sehr aufhielt,versuchte man zuerst die bis dahin nur für Muuition Versuchs-