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Dreiundvierzigstes Capitel. Schwefelwasserstoff.
gegeben werden, da man das Gewicht des Schwefelwasserstoffs directnicht feststellen kann, sondern nur durch Zersetzungsproducte und Wä-gung oder Messung derselben. Eine solche Zersetzung bietet uns dienormale Lösung der arsenigen Säure dar.
1 At. arsenige Säure und 3 At. Schwefelwasserstoff zersetzen sichin 1 At. Schwefelarsenik und 3 Atom Wasser:
As Og —|— 3SH = AsS 3 —|— 3HO.
Diese Zersetzung ist so bestimmt, dass sie sogar zur Gewichtsana-lyse angewendet wird. Das Schwefelarsenik ist das Aequivalent von3 Atom Schwefelwasserstoff. Schwefelarsenik kann jedoch nicht gutin kleinen Mengen mit Sicherheit gewogen und bestimmt werden. Da-gegen finden wir die Menge des im Schwefelarsenik vorhandenen Schwe-fels und Arseniks leicht durch Messen der nicht gefällten arsenigenSäure. Die Operation führt sich dann in folgender Weise aus.
Man lässt aus der Bürette eine bestimmte Menge der ZehendnormalArseniklösung in ein 300 CC. Glas einfiiessen, und lässt das mit derPipette gemessene Schwefelwasserstoffwasser direct hineinfliessen. Manbemerkt meistens gar keine Farben Veränderung, bei concentrirtem Schwe-felwasserstoffwasser eine schwach gelbe Färbung. Man schüttelt tüchtigum, giebt einige Tropfen reiner Salzsäure hfnzu, so dass die Flüssigkeitentschieden sauer wird, was man mit blauem Lackmuspapier feststellt.Es entsteht sogleich ein Gerinnsel von gefälltem Schwefelarsenik und dieFlüssigkeit wird vollkommen farblos. Sie darf nicht nach Schwefelwas-serstoff riechen. Man füllt die 300 CC.-Flasche bis an die Marke mitWasser an, was nicht ausgekocht zu sein braucht, da weder der Schwe-felarsenik, noch die überschüssige arsenige Säure vom freien Sauerstoffverändert werden. Man filtrirt durch ein trockenes Filtrum in ein trocke-nes Glas, prüft vorläufig, ob das klare Filtrat mit Schwefelwasserstoff nocheinen gelben Niederschlag erzeugt, also noch arsenige Säure enthalte,was nothwendig ist, misst 100 CC. vom Filtrat ab, bringt sie in einenMischkolben, sättigt die freie Säure mit hineingeworfenem Pulver vondoppelt kohlensaurem Natron, setzt Stärkelösung hinzu und misst dievorhandene arsenige Säure mit Jodlösung ab. Man wiederholt den Ver-such mit anderen 100 CC. desselben Filtrats. Beide Resultate müssenfast absolut stimmen, wenigstens dürfen die Differenzen nicht grösser alsVio CC. sein.
Ein Versuch, ob die Messung der arsenigen Säure ohne Abschei-dung des Schwefelarseniks geschehen könne, gab die bestimmte Ant-wort, dass dies nicht geschehen könne. Das Schwefelarsenik löst sichnach und nach in der nothwendig alkalischen Flüssigkeit auf und giebtfalsche Resultate. Das Nachbleichen der Jodstärke dauert dann sehrlange, während bei der reinen arsenigen Säure das erste Bleiben derblauen Farbe entscheidend ist.
Diese Bestimmungsart, welche ich bloss zur Controle der gewöhn-lichen Methode erdacht hatte, bietet so viele Garantien und Vorzüge,