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Nachträge. Alkalimetrie.
nämlich in dem krystallisirten Doppelsalze vorhanden ist, und dieserreicht man sicher, wenn man noch einige Flocken von Kupferoxyd-hydrat ungelöst zuriicklässt. Man filtrirt in den Mischcylinder oder dieMischflasche hinein und stellt den Titre gleichwerthig auf Normalsal-petersäure oder Schwefelsäure. Auf Normalkleesäure kann man ihnnicht stellen, weil sogleich kleesaures Kupferoxyd niederfällt, was dieBeobachtung einer ferneren Trübung unmöglich macht.
Zinkoxyd- und Thonerdelösungen kann man auf Kleesäure stellen.Da jedoch die Normalsalpetersäure sehr leicht durch einige Operationenabgeleitet werden kann, so kann darin kein Hinderniss der Anwendungder Methode liegen.
Wenn die Flüssigkeit den normalen Titre hat, so wird sie genauwie das Natron und Ammoniak angewendet, nur dass keine Lackmus-tinctur gebraucht wird, sondern das Entstehen des Niederschlages alsEnde der Operation angesehen wird.
Bei reinen Säuren bietet die Methode keine besondere Vorzüge vor dergewöhnlichen mit Lackmus. Wohl aber findet sie ihre sehr gute An-wendung bei Bestimmung freier Säure in solchen Metallsalzen, die imneutralen Zustande schon röthend auf Lackmus wirken. Ganz aus-gezeichnet ist sie bei Bestimmung der freien Säure in den Flüssigkeitender galvanischen Batterien und bei der fabrikmässigen Darstellung derVitriole auf Hütten. Ueberhaupt aber ist das Kupferoxyd-Ammoniakzur Säuremessung bei allen jenen Salzen zu gebrauchen, und also auchzur quantitativen Bestimmung der Basen anzuwenden, mit denen es imneutralen Zustande durch den ersten Tropfen -einen bleibenden Nieder-schlag erzeugt. Prüft man die Reihe der Salze durch, so zerfallen siein Bezug auf das Kupferoxyd-Ammoniak in drei Kategorien.
1) Die neutralen Salze aller Basen, die von Ammoniak nicht gefälltwerden, geben mit dem Kupferoxyd-Ammoniak keinen Niederschlag;dahin gehören Kali, Natron, Kalk, Baryt, Strontian.
2) Die neutralen Salze aller Metalloxyde RO, welche von Ammo-niak gefällt werden, geben mit dem ersten Tropfen einen bleibendenNiederschlag. Es sind dies die Salze der Zinkreihe, nämlich von Bittererde,Zinkoxyd, Kupferoxyd, Kobalt- und Nickeloxyd, Eisenoxydul, Mangan-oxydul. Alle diese Oxyde können acidimetrisch mit dem Kupferoxyd-Ammoniak bestimmt werden.
3) Die neutralen Salze der Thonerdereihe R 2 O 3 werden anfänglichdurch das Kupferoxyd-Ammoniak nicht getrübt; später aber folgt eineFällung der Base R 2 O 3 allein, und zuletzt erst wird Kupferoxydhydratgefällt. Dies Verhalten hängt innig mit der sauren Natur der OxydeR 2 0 3 zusammen und hat zu einer alkalimetrischen Bestimmung der Thon-erde (S. 358) geführt. Diese Oxyde können nicht mit dem Kupferoxyd-Ammoniak gemessen werden, selbst nicht der Ueberschuss der Säure, dasie im neutralen Zustande keine Trübung veranlassen. Es gehören hierhinThonerde, Eisenoxyd, Manganoxyd, Chromoxyd.