G Vierter Abschnitt. Fällungsanalysen.
btiretten versehen sind, hat Liebig die Probeflüssigkeit auf Unzen undGrane gestellt.
Man löse 63 Gran geschmolzenes salpetersaures Silberoxyd in de-stillirtem Wasser auf, so dass die ganze Flüssigkeit 12 1 / 2 Unzen oder6000 Gran beträgt*). Von dieser Flüssigkeit entsprechen 300 Granoder 5 Drachmen einem Gran wasserleerer Blausäure. Man tarirt beider Prüfung der medicinischen Blausäure das Gefäss mit der Silberlösung.Sodann wägt man 100 Gran Blausäure genau ab, verdünnt sie mit3 bis 4mal soviel Wasser, fügt etwas Aetzkali und einige Tropfen Koch-salzlösung zu, und tröpfelt nun die Silberlösung in die Blausäure, indemman diese beständig umschwenkt, bis eine sichtbare bleibende Trübungentsteht.
Man bestimmt nun durch Zulegen von Gewicht zur Silberlösungdie Menge, welche von dieser verbraucht wurde, und berechnet darausden Gehalt der Blausäure in Granen, die in dem Falle, dass man100 Gran abgewogen habe, natürlich auch Procente sind. Die verbrauch-ten Grane der Silberlösung dividirt durch 300 geben die Grane oderProcente an wasserfreier Blausäure. Von Bittermandelwasser wiegtman eine grössere Menge, etwa 500 Gran (1 Unze, 1 Scrupel), ab undverfährt ebenso.
Ebenfalls zur Bestimmung des Cyans im Cyankalium wird die Me-thode mit Erfolg angewendet. Man lässt in diesem Falle den Zusatzvon Aetzkali weg.
Man wägt 5 Grm. des Salzes ab, löst zu 500 CC. auf, in welchemFalle jeder CC. 0,010 Grm. des rohen Salzes enthält. Nimmt man vondieser Lösung mit der Pipette 10 CC., so enthalten diese 0,100 Grm.des Salzes.
Man bringt die klare, nöthigenfalls fiitrirte Lösung unter die Büretteund lässt Silberlösung bis zur erscheinenden Trübung einlaufen.
Es ist zu bemerken, dass, wenn das Cyankalium Spuren von Schwe-felkalium enthält, welches von dem Gehalte der Pottasche an schwefel-saurem Kali herstammt, die Flüssigkeit sich etwas färbt und trübt. Man
*) Wollte man Überhaupt die in die Pharmacie einschlagenden maassanalytischenOperationen auf Unzen und Grane stellen, so würde die 12% Unzenflasche andie Stelle der Litreflasche, und das Volumen von 10 Gran Wasser an die Stelle desCubikcentimeters treten. Ich kann jedoch nicht für eine solche Mundrechtmachungstimmen, denn die Mehrzahl der Apotheker würde auch so von dem Verfahrenkeinen Gebrauch machen, und die höher Strebenden sich auch ohne dies Gram-mengewichte zu verschaffen wissen. Es würden auch die nach 10 Gran Volumengetheilten Büretten mindestens ebenso theuer, sicherlich aber viel ungenauer sein,als die nach CC. getheilten. Die Verschiedenheit des Medicinpfundes in den ein-zelnen deutschen Staaten würde die Anwendung getheilter Röhren ganz illusorischmachen. Und da Preussen die Abschaffung des gewöhnlichen bürgerlichen Ge-wichtes schon beschlossen hat, so würde gar keine Veranlassung mehr zu derVerewigung einer solchen Verwirrung vorliegen, als sie durch doppelte Bürettenund Maassflüssigkeiten hervorgerufen werden würde.