Fünftes Capitel. Silber. 55
schuss der Kochsalzlösung genau zu bestimmen. Zu diesem Zweckemuss der Kupfergehalt der Lösung und die freie Säure entfernt werden.Man stellt die Kochflasche auf die Flamme der Weingeist - oder Gas-lampe, im Grossen in ein Chlorcalcium- oder Chlorzinkbad, und erhitztbis zum Kochen; jetzt wirft man Krystalle von reinem, mindestens chlor-freiem kohlensauren Natron hinein, lässt abbrausen und kocht unter fer-nerem Zusatz von kohlensaurem Natron, bis das Kupferoxyd schwarzgeworden ist. Diese Bedingung ist unerlässlich, indem das kohlensaureKupferoxyd etwas löslich ist, sich nicht absetzt und mit chromsauremKali eine Färbung erzeugt. Der Niederschlag besteht aus Chlorsilberund Kupferoxyd. Das Chlorsilber wird durch Kochen mit kohlensauremNatron nicht im Geringsten zersetzt, während es durch Aetzkali undKalkmilch allerdings in Silberoxyd verwandelt wird. Silberoxyd wirdaber von Chlormetallen nicht in Chlorsilber verwandelt, während koh-lensaures (so wie phosphorsaures, arseniksaures, chromsaures) Silberoxydaugenblicklich von Chlormetallen in Chlorsilber verwandelt werden.
Die mit kohlensaurem Natron gekochte Flüssigkeit enthält ausserdem gebildeten salpetersauren Natron noch das überschüssig zur Fällungangewandte Kochsalz und das überschüssig zugesetzte kohlensaure Na-tron, ist also gerade in der rechten Mischung, um mit Silber und chrom-saurem Kali gemessen zu werden. Sie ist so vollständig kupferfrei, dassSchwefelammonium darin nicht die geringste Trübung oder Färbungveranlasst. Man giesst die Flüssigkeit sammt dem Niederschlage in einenengen Cylinder, der 150 CC. enthält und von 50 zu 50 CC. graduirtist, also nur drei Striche enthält. Man füllt bis an die Marke mit de-stillirtem Wasser an, legt eine befettete Platte von vulcanisirtem Kaut-schuk auf, drückt diese mit dem Ballen der Hand fest und schüttelt starkum. Man lässt nun absetzen, was bei etwas geneigter Lage des Cylin-ders sehr bald geschieht, und zwar so vollständig, dass die überstehendeFlüssigkeit wasserklar ist. Statt des Cylinders kann man sich auch einerFlasche bedienen, die bis in den Hals 150 bis 200 CC. hält. Wegender Löslichkeit des chromsauren Silberoxydes in Wasser, und besondersin heissem Wasser, hat man eine überflüssige Verdünnung zu vermeidenund noch die Flüssigkeit bis auf mittlere Temperatur abkühlen zu lassen.Dies geschieht durch Einsetzen der Kochflasche, ehe man in den Cylin-der eingefüllt hat, in kaltes Wasser.
Ueber der klar abgesetzten Flüssigkeit zieht man mit einer Pipette50 CC. oben ab, lässt sie in ein Becherglas laufen, setzt zwei bis dreiTropfen chromsaure Kalilösung zu, und bringt dieses unter eine sehrfein getheilte Bürette, welche unmittelbar Zehntel-CC. zeigt, mit Zehent-Silberlösung gefüllt ist, und erzeugt nun vorsichtig die rothe Färbungdes chromsauren Silberoxyds. Dann lässt man aus einer ebenso fein ge-theilten Bürette die gleichwerthige Kochsalzlösung eintröpfeln, so laugeals man die Stelle des einladenden Tropfens durch eine hellere Nuancezu unterscheiden vermag.