Molybdänsäure. 135
nung ist beendigt, wenn die Flüssigkeit einen leichten Stich in Rosenrothzeigt, der auch einige Minuten stehen bleibt. Wurden nun abgewogenegleiche Mengen Molybdänsäure in dieser Art behandelt, so zeigtesich ein so gleicher Verbrauch an Chamäleonfliissigkeit, dass hierin Grundzu der Annahme lag, diese Erscheinung zur Messung der Molybdänsäuregebrauchen zu können. Es könnte nun die Beziehung des Chamäleonszur Molybdänsäure in zweierlei Art festgestellt werden, entweder indemman den Titre mit reiner Molybdänsäure erforschte, oder indem man er-mittelte, ob unter der Annahme des gewöhnlichen Atomgewichtes desMolybdäns 46 der Eisentitre mit dem Molybdänsäuretitre übereinstimmteund ob auch die Annahme der Reduction von Molybdänsäure auf Molyb-dänoxydul gegründet sei.
Wenn Eisenoxydul in Oxyd übergeht, nimmt es 1 /. l Atom Sauer-stoff auf, Molybdänsäure (MoO ä ) giebt aber, um in Molybdänoxydul(MoO) überzugehen, 2 At. Sauerstoff ab, folglich sind 4 At. Eisenoxydul-salz hinreichend, ebensoviel Sauerstoff aufzunehmen, als 1 At. Molybdän-säure abgiebt.
Es wären demnach 4 X 28 oder 112 Eisen = 70 Molybdänsäure, undder constante Factor wäre:
Eisen X 0,625 = Molybdänsäure.
Beim Versuch stellte es sich aber anders heraus. Zunächst war ge-funden worden, dass 42,87 CC. eines vorhandenen Chamäleons = 0,3307Grm. reiner Molybdänsäure war, und durch die Titrirung des Chamäleonsauf metallisches Eisen fand sich, dass 42,87 Chamäleon = 0,3315 Grm.metallischem Eisen waren, so dass für dieselbe Menge Chamäleon eineso zu sagen, fast ganz gleiche Menge Eisen und Molybdänsäure erfor-derlich waren. Demnach wäre der constante Factor 1, statt des theo-retisch gefundenen 0,625, und es geht die Zersetzung sicherlich nichtnach der obigen Voraussetzung vor sich.
10 Atom oder 280 Eisen in Gestalt von Oxydul würden 5 At. Sauer-stoff aufnehmen, um in Oxyd überzugehen. 280 Molybdänsäure sind aber4 At., nämlich 4mal 70. Es müssten diesen ebenfalls 5 At. Sauerstoffdurch die Reduction mit Zink entzogen worden. Nimmt man von 4 At.Molybdänsäure, Mo 4 0 12 , 5 At. Sauerstoff weg, so bleibt Mo 4 0 7 als diejenigeVerbindung, welche aus der Molybdänsäure durch die Reduction mit Zinkentsteht, und das praktische Resultat wäre, dass die gefundene Molybdän-säure im Gewicht gleich wäre dem metallischen Eisen, welches durchdie verbrauchte Menge Chamäleon angezeigt wird. Hieraus erklärt sichdie etwas sonderbar lautende Ueberschrift dieses Capitels: MetallischesEisen = Molybdänsäure. Hatte man den Titre mit Eisendoppelsalz ge-nommen, so wäre, da 28 Eisen 196 Eisendoppelsalz geben, 196 Eisen-
28
doppelsalz = 28 Molybdänsäure, also Eisendoppelsalz X = Mo-28
lybdänsäure; ist aber gleich dem übergeschriebenen Factor 0,143.