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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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IGO Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

Salzsäure gelöst ist, beide mit schwefelsaurem Natron gefällt und derschwefelsaure Baryt nach dem Gewichte bestimmt, aus welchem man dieKohlensäure berechnet. Beobachtungen und Correctionen über Tempe-ratur und Luftdruck dürfen nicht fehlen.

Die überaus zahlreichen Versuche, die Saussure nach diesem Ver-fahren angestellt und veröffentlicht hat, sind so übereinstimmend, wienicht viele, die seitdem gemacht worden sind, und zeugen mindestens fürdessen Verlässlichkeit. Als später Brunner*) seine Methode beschrieb,mittelst des Aspirators Luft durch eine Anzahl Röhren zu leiten, welcheAbsorptionsmittel für Wasser und Kohlensäure enthalten, hat man sichallgemein dieser letzteren zugewendet.

Das Verfahren von Saussure wird in den ausgezeichnetsten Lehr-büchern der Chemie kaum mehr beschrieben, und es finden sich auchkeine Zahlenresultate ausser seinen eigenen vor, die nach demselben er-halten worden wären. Die Unbequemlichkeit, einen 20 Litre fassendenBallon leer zu pumpen, Stunden lang zu schütteln, und noch viele Tagedie Absorption abzuwarten, endlich der sehr kostspielige Apparat hattendieser Methode keinen Eingang verschafft. Gleichwohl existirten auchkeine Analysen nach dem mit so vielem Beifalle aufgenommenen Brun-nerschen Verfahren, und als Hlasiwet? im Jahre 1856 das Brnnner-sche Verfahren zu einer Reihe von Untersuchungen anwenden wollte,fand er die Zahlenresultate unter sich so schwankend und so wenig mitden anerkannten Thatsachen der Wissenschaft in Uebereinstimmung, dasser es als vollkommen unbrauchbar verwerfen musste. Bei genauer Prü-fung der einzelnen Theile des Apparates fand er als Hauptfehlerquellen:

1) Dass die Schwefelsäure der Trockenapparate Kohlensäure absorbirt.

2) Dass die Kalilauge, die die Kohlensäure aufznnehmen bestimmtist, Sauerstoff absorbirt.

3) Dass die Menge der Kohlensäure viel zu gering ist, um die Wä-gungen so vieler Glasgefässe, die zusammen eine Oberfläche von 7 Qua-dratdecimeter haben mögen, sicher erscheinen zu lassen.

Als er an die Stelle der Schwefelsäure Chlorcalcium zur Austrock-nung der Luft anwandte, fand er, dass der ozonisirte Sauerstoff der Lufthäufig Chlor aus dem Chlorcaleinm austrieb, und dass das Gewicht derChlorcalciumröhren nach dem Versuche oft leichter als vor demselbenwar, weil eben das Aequivalent des Chlors 4y 2 mal so gross als das desSauerstoffs ist. Als Herr Hlasiwetz mir privatim von diesen That-sachen Kenntniss gab, theilte ich ihm ein Verfahren mit, was ich ebenausgeführt hatte, mit der Aufforderung, dasselbe zu seinen Zwecken zugebrauchen. Dies ist denn auch durch Herrn Dr. Hugo von Gilmunter Leitung des Herrn Hlasiwetz geschehen und in den Sitzungs-berichten der Wiener Akademie der Wissenschaften (Bd. 24, S. 279)mitgetheilt worden.

') Poggend. Annal. d. Phys. u. Chem. Bd. Z4, 8. 5G9.