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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.
Werke, 4. Aufl., S. 138 beschriebenen speeiellen Verfahren das hiernachzu beschreibende vor.
Von Apparaten ist nothwendig eine gute Wage zu 150 Grm. undGranunengewichte und die bekannten gläsernen Röhrendestillirgeräthschaf-ten. Die Anwendung von Grangewichten kann ich nur missbilligen, weil siemeistens sehr ungenau sind, in jedem Falle aber die Ablesung und Ad-dition der verschiedenen Stücke eine ganz überflüssige Mühe ist, die leichteinen Fehler herbeiführen kann. Wer sich mit Nürnberger Apotheker-gewichten behilft, möge lieber das Analysiren ganz bleiben lassen.
Vor Allem kommt es darauf an, ein sehr genaues 100 Grm. Gläschenzu haben; es muss einen langen und engen Hals haben und die Marke der100 Grm. muss an den engen Theil des Halses kommen.
Dieses Gläschen wird in der folgenden Art graduirt. Man trocknetes aus und stellt es mit dein 100 Grm. Stück auf die rechte Seite der vor-her gleichschwebenden Wage und macht sich ein Gegengewicht,welches so schwer ist, als das 100 Grm. Glas mit dem 100 Grm. Gewicht.Das Gegengewicht ist am besten ein Glas mit Glasstopfen, welches mitSchrot und zuletzt mit Rauschgold ins Gleichgewicht gebracht wird. Umden Stopfen unveränderlich zu befestigen, erwärmt man den Hals desGläschens und setzt den Glasstopfen kalt in den erwärmten Hals. DurchZusammenziehen des Halses wird der Stopfen festgeklernmt, und kannnicht durch Zufall lose werden.
Man nehme nun das 100 Grm. Gewicht von der Wage und giesse destil-lirtes Wasser von 14°li.indas Glas, indem man gegen Ende mit einer feinenPipette oder einem eingetauchten Glasstabe einzelne Tropfen herausnimmt,bis das Gleichgewicht aufs Schärfste hergestellt ist. An die Stelle, woder unterste Punkt mit der concaven Wasserfläche steht, mache man einescharfe und zarte Marke, sei es mit einem Diamant oder mit einer neuenscharfen dreikantigen Feile. Man erhält so als Einheit des specifischenGewichtes das absolute Gewicht von 100 Grm. Wasser bei 14° R. undzwar gerade von denselben 100 Grm., die man besitzt, da es wohl nichtso scharf zutreffen möchte, wenn man ein 100 Grm. Glas aus einer undeinen Gewichtssatz aus einer andern Handlung beziehen wollte.
Dieses 100 Grm. Glas dient nun sowohl zum Abmessen der Flüssig-keiten, als zur Bestimmung de3 specifischen Gewichtes.
Specielles Verfahren.
1) Alkoholbestimmung.
Man messe zweimal das 100 Grm. Gläschen bis an die Marke voll Bier,giesse jedesmal den Inhalt in eine Kochflasche von ungefähr 12 bis16 Unzen Inhalt, spüle jedesmal das Fläschchen nach, bringe in die Koch-flasche einige Unzen trocknes Chlorcalcium und eine Messerspitze vollTannin. Da das Aufschäumen des Biers von seinem Klebergehalt her-rührt, so wird es ganz vermieden, wenn man den Kleber in eine unlös-