‘218 Chemische Eigenschaften.
düng unter Licht und Wärmeentwicklung statt *). Wühler hat dreiVerbindungen des Titans mit Stickstoff beschrieben, welche nach denFormeln Ti N, Ti 5 N 3 und Ti 3 N 2 zusammengesetzt sind. Eine vierte vonder Formel Ti 3 N ist noch nicht isolirt dargestellt worden, ihre Existenzwird aber in einem sogleich zu erwähnenden Hohofenproducte angenom-men. Die Verbindungen Ti ä N 3 und Ti 3 N 2 können nach Wühler auchausgedrückt werden durch die Formeln: 2 Ti N -(- Ti 3 N und 3 Ti N -f- Ti 3 N.
Titan, wie weiter unten gezeigt werden wird, kommt häufig in ge-ringen Mengen in Eisenerzen vor. In Folge dessen erscheint häufig einemerkwürdige Verbindung des Titans in Form von kupferfarbenen kubischenKrystallen in der eisenreichen Masse, welche sich nicht selten in oder unterdem Bodenstein des Hohofens ansammelt und „Sau“ (englisch bear , Bär)genannt wird. Wühler entdeckte zuerst, dass dies eine Stickstoffcyan-titanverbindung sei, welcher die Formel Ti Cy + 3 Ti 3 N 9 zukomme 2 ).Wollaston hatte dies Product schon 1822 untersucht und es für reinesTitan ausgegeben.
Nach Karsten finden sich Spuren von Titan in sehr vielen ArtenKoheisen; aber es ist fraglich, ob in solchen Fällen das Metall wirklichmit dem Eisen legirt oder darin gelöst ist, oder ob es sich nur im Zu-stande mechanisch vertheilten Stickstoffcyantitans darin befindet. In demEisen, welches die „Sau“ zusammensetzt, kann es wenigstens im Zustandesehr feiner mechanischer Vertheilung existiren, wie sich aus der Einwir-kung von Säuren darauf beweisen lässt, da diese das Eisen lösen und dieTitanverbindung zurücklassen.
[Anm. d. Bearb. Dieser Körper kommt zwar gewöhnlich in Krystallenvor, die meistentheils nur Würfelflächen, zuweilen jedoch die des Ok-taeders 3 ) zeigen; er findet sich aber auch in derben Massen, die häufig inSprüngen und Rissen als Platten auftreten, übrigens nicht nur in Säuen,sondern auch in den Gestellsteinen, ja selbst in Schlacken.
Glüht man die Krystalle in einem Strome Wasserdampf, so gehenWasserstoffgas, Ammoniak und Blausäure fort. Merkwürdigerweise be-halten die in Titansäure verwandelten Krystalle bei diesem Versuch dieWürfelform, bestehen aber, unter dem Mikroskop betrachtet, aus einemAggregat diamantglänzender spitzer Quadratoktaeder.
Wöhler vermuthet, dass die Bildung dieses Körpers im Hohofenmit der des Cyankaliums Zusammenhänge, denn er lässt sich durch Glü-
*) Recherclies sur le Titane et son afliuite speciale pour l’Azote. Par M. M.F. Wöhler et II. Sainte-Claire Deville. Ann. de Cbim. et de Phys. 3. s. 52*p. 92. 1858. — 2 ) Ann. de Chim. et de Phys. 3. s. 29. p. 166. 1850. Er analy-sirte ein Vorkommen des Hohofens zu Rübeland und fand:
Titan. 77,26, nach der Formel berechnet 78,00
Stickstoff .... 18,30 „ „ 18,11
Kohlenstoff • • - 3,64 „ „ „ „ 8,89
Graphit.0,92 .
" 100,12
3 ) Rammelst). Metall. 1865. S. 140.
100,00