238 Chemische Eigenschaften.
Silber '). Der erste dieser Beobachter fand, dass Silber mit nur 7326 anEisen auf die Magnetnadel ein wirkte, und dass Silber, welches aus Horn-silber (geschmolzenem Ag CI) reducirt war, selbst dann noch die Magnet-nadel beunruhigte, wenn es nur einen Theil Eisen auf etwa 133119 TheileSilber enthielt. Grosse schmiedeiserne Tiegel sind viele Jahre lang fürSilberschmelzungen angewendet worden, und das beweist hinreichend, dassbei der Temperatur des geschmolzenen Silbers keine sehr ausgesprocheneVerwandtschaft zwischen beiden Metallen bestehen könne.
Karsten stellte einen Frischversuch im Grossen in Oberschlesien an,bei welchem dem zu verfrischenden Roheisen anderthalb Procent feines 16-löthiges Silber zugesetzt wurden. Es ergab sich, dass das Eisenbeträchtlich an Güte verlor. Aus den Anlaufkolben erhob sich, sowie sie aus dem Feuer genommen wurden, ein bläulich-grüner Dampf, derauch beim Schmieden, so lange sich das Eisen in weisswarmer Hitze be-fand, fortdauerte. Das Anlaufen ging gut von statten; der Deul warauch recht gar gefrischt, jedoch schmiedete sich das Eisen schlecht, undwurde sehr unganz und schiefrig. Die Stäbe bekamen stellenweise sehrviele und grosse Kantenbrüche und verhielten sich fast ganz wie rothbrü-chiges Eisen, indem sie beim Probiren kalt sehr zähe waren. Durch dieAnalyse wurden 0,034 Proc. Silber im Eisen ermittelt. Das Silber zeigtehiernach dieselbe Wirkung auf das Eisen, wie der Schwefel, wenngleichin einem etwas weniger ausgezeichneten Grade.
Longmaid hat im Jahre 1861 ein Patent auf Legirungen von Eisenmit in der That homöopathischen Mengen Silber erhalten 2 ). Die Silber-menge soll, nach dem Patentinhaber, niemals 10 Unzen auf die Ton Eisen,d. h. 0,0306 Proc. überschreiten; aber im Allgemeinen zieht er es vor, nichtmehr als 1 bis 2 Unzen, d. h. 0,0031 bis 0,0061 Proc. anzuwenden, und denZusatz nur dann zu erhöhen, wenn das Eisen fester und geschmeidiger wer-den soll oder fähiger zur Umwandlung in Stahl. Das Silber soll währenddes Feinens oder Puddelns zugeschlagen werden. Longmaid will eine ent-schiedene Vervollkommnung in der Eisenerzeugung schon bei Anwen-dung von weniger als 1 Unze oder 0,0031 Proc. Silber entdeckt haben.Er gesteht, dass er zwar wisse, man habe schon vor ihm Silber mit Eisenzu legiren versucht, aber, sagt er, man habe stets zu grosse MengenSilber angewendet und dadurch das Auftreten der verbesserten Eigen-schaften des Eisens verhindert, denn das Silber habe in diesem Falle nichtin eine so enge chemische Verbindung mit dem Eisen eintreten können,wie solche erzielt werde bei Anwendung sehr geringer Silberquantitäten.
In der Praxis hat Longmaid’s Patent natürlich nirgends Einganggefunden. Wenn man annimmt, dass der Patentinhaber wirklich durch prak-tische Versuche zu seinen Schlüssen geführt worden ist, so beweist dies nur,wie schwierig es ist, aus dem Erfolge verschiedener Chargen im Puddelofenauf das Material zu schliessen. Ein wenig mehr Aufmerksamkeit, etwas
') Karsten I. S. 491. — 2 ) A. D. 1861, July 24th., Nr. 1863.