250 Chemische Eigenschaften.
Karsten entdeckte hei seinen vielen Analysen von verschiedenenArten Schmiedeeisen, Stahl und Roheisen nur selten Aluminium, und dannnur in unwägbaren Mengen.
Die von ihm befolgte Methode der Analyse ist die gewöhnlich be-schriebene, nämlich Lösung in Königswasser, Verdampfen zur Trockniss,Anfeuchtung des Rückstandes mit Salzsäure, Lösung in Wasser, Fil-triren, Fällung durch Ammoniak, Auflösung des Niederschlags in einermöglichst geringen Menge Chlorwasserstoffsäure, Kochen mit überschüssi-gem Kali, Verdünnen mit viel Wasser, Filtriren, Ansäuren des Filtratsmit Chlorwasserstoffsäure und schliesslich Zusatz von kohlensaurem Am-moniak im Ueberschuss.
Karsten stellte auch drei verschiedene Versuche im Grossen an.Der Zusatz von Thon zum Roheisen hei dem Verfrischen auf Stabeisenführte zwar eine Verzögerung der Frischarheit wegen des in grosserMenge sich bildenden Eisenoxydul-Silicates als Folge dieses Zusatzes her-bei; allein auf die Festigkeit des Eisens schien dieser Zusatz ohne einenauffallend nachtheiligen Einfluss gewesen zu sein, auch haben sich beider Analyse des Stabeisens kaum Spuren von Thonerde auffinden lassen.Er bezweifelt, dass sich Thonerde bei dem gewöhnlichen Schmelzprocessim Hohofen überhaupt reducire und als Metall mit dem Eisen in Verbin-dung trete, glaubt aber, dass, falls Aluminium in das Eisen übergehe, das-selbe die Festigkeit des letzteren in hohem Grade vermindern müsse, dasich gerade die stärksten Spuren von Thonerde bei dem faulbrüchigenStabeisen zeigten *).
[Anm. des Bearb. In Folge der Versuche von Faraday hat manvielfach absichtlich aluminiumhaltigen Stahl hervorzubringen gesucht undsolchen in den Handel als eine besonders gute Qualität gebracht. DieAnalysen der Chemiker haben aber meist keinen Aluminiumgehalt er-geben; so fand Rammeisberg kein Aluminium in deutschem angeblichemAluminiumstahl 1 2 ). In das Roheisen scheint Aluminium stets nur insehr geringen Mengen überzugehen und 1,01 Proc. dürfte wohl dasMaximum sein 3 ). In englischem Roheisen hat man 0,5 bis 1 Proc., inschwedischem 0,75 Proc., in Siegerländer 0,077 Proc. gefunden 4 ).]
Es ist erwähnt worden, dass nach Faraday das Aluminium demStahl Damast verleiht, und es dürfte daher hier der Ort sein, über diesenAusdruck etwas Näheres zu sagen: Man nennt Damast oderDamascirungdie eigenthümliche Zeichnung der Oberfläche des Stahls, welche hervor-tritt, wenn man den polirten Stahl mit schwacher Säure anätzt. DieZeichnungen sind sehr verschiedener Art, bald in Form verworrenerAdern, bald in Gestalt paralleler Streifen oder schraubenförmig gewunde-ner Linien.
1 ) Eisenhüttenkunde I. 483. — 2 ) Chem. Metall. 1865. S. 187. — 3 ) Erd-
mann, Journ. f. prakt. Chem. Bd. 67. S. 257. ■— 4 ) Kerl, Handb. III. S. 59.