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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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254
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254 Chemische Eigenschaften.

2. Eine Mischung von 1600 Grains Stahl und 48 Grains reinesChrom wurde wie vorher geschmolzen. Der König hätte hiernach 2,91 Proc.Chrom enthalten müssen. Er war beträchtlich härter als der vorige, ebensoschmiedbar wie reines Eisen und gab auch einen sehr schönen Damast.Der Damast wurde durch Poliren entfernt und liess sich durch Erhitzungohne Anwendung einer Säure wieder herstellen. Die damascirte Ober-fläche, jetzt durch Oxydation angelaufen, hatte ein ganz ungewöhnlichesAnsehen, dessen Schönheit noch erhöht wurde durch fernere Erhitzungdes Metalls, welche alle Anlauffarben vom Blassstrohgelben bis zum Blauhervorrief (239 bis 315° C.).

Mushet erhielt 1861 ein Patent auf den Zuschlag von gepulvertemChromeisenerz oder Chromoxyd zu Gussstahl oder Gussstahl erzeugendenMaterialien, zugleich mit oder ohne Zusatz von pulverisirtem Wolfram-erz oder Wolframsäure).

Es scheinen keine vertrauenswerthen Beobachtungen oder Versucheüber den Einfluss des Chroms auf Gusseisen vorzuliegen.

Karsten prüfte Schmiedeeisen, welches aus einem eine geringeMenge Chrom enthaltenden Roheisen dargestellt worden war, konnte aberkeine Spur dieses Metalls darin entdecken, wonach es scheint, als wennbei dem Frischprocess die ganze Menge des Chroms abgeschieden wird.

Eisen und Wolfram.

Wolfram im metallischen Zustande wurde zuerst von den GebrüdernDElhuyar im Jahre 1783 dargestellt. Sie theilten ihre Untersuchungender Akademie der Wissenschaften zu Toulouse am 24. März 1784 ineinem bewundernswürdigen Memoir mit, welches bis auf den heutigenTag des Studiums werth ist 2 ). Sie versuchten Legirungen des Wolframsherzustellen, indem sie Wolframsäure (WOj) mit den betreffenden Me-tallen in kohlengefütterten Tiegeln zusammen erhitzten. Sie beschreibendie Legirungen mit Gold, Platin, Kupfer, Blei, Zinn, Antimon, Wismuth,Zink, Mangan und weissem Roheisen, aber nicht mit Schmiedeeisen undStahl. Alles was sie in Bezug auf Eisen mittheilen, ist, dass mit demEisen des weissen Roheisens ein vollkommener König gebildet wurde,dessen Bruch dicht und von grau-weisser Farbe war. Es war hart, spröde( aigre ) und wog 137 Gramm.

Riehe ist der Einzige, dem es gelang Wolfram zu schmelzen, indemer dazu den Strom einer Batterie von 200 gewöhnlichen BunsensclienElementen (welche der Facultüt der Wissenschaften zu Paris gehörte) an-wandte. Schon hierbei oxydirt sich eine beträchtliche Menge des Metalls

0 A. D. 1861. July 19. Nr. 1817. Verbesserungen in der Darstellung desGussstahls. 2 ) Memoire sur la nature du Volfram et celle dun nouveau metal

qui entre dans sa composition. Par MM. DJälhuyar freres, correspondants. Lule 24 Mars, 1784. Histoire et Memoires de lAeademie Royale des Sciences, In-seriptions, et Beiles Lettres de Toulouse. 1784. 2. p. 141.