Buch 
[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
Entstehung
Seite
255
JPEG-Download
 

Eisen und Wolfram.

255

mit grünlich-blauer Flamme. Riehe giebt an, dass das Wolfram auch,und zwar sehr schnell, vor dem Knallgasgebläse schmilzt, aber in diesemFalle oxydirt sich der grössere Theil des Metalls und wird in Wolkenvon Wolframsäure fortgeführt. Nach diesem Beobachter reducirt sichWolfram aus Wolframsäure durch Wasserstoffgas zu deutlichen, glänzendenkrystallinischen Körnern, welche eine feine Politur durch Reibung anneh-men und Glas mit Leichtigkeit ritzen ').

Der Verfasser hat hier anzuführen, dass er vor vielen Jahren beträcht-liche Zeit einer experimentalen Untersuchung verschiedener Verbindungenund Legirungen des Wolframs widmete. Es gelang ihm nicht, das Metallbei den höchsten Temperaturen des Zugofens oder des SefströmsehenGehläseofens zu schmelzen. Bei der Reduction des krystallisirten wolf-ramsauren Ammoniaks in einem Wasserstoffgasstrom bei Rothgluth wurdedas Metall- in Krystallen von hellem Metallglanz und zinnweisser Farbeerhalten. Ob hierbei Stickstoff eine Rolle spielte, Hess sich nicht ent-scheiden.

Aikin und Allen haben schon vor langer Zeit die Thatsache mit-getheilt, dass sie bei Reduction der nadelförmigen Krystalle des wolf-ramsauren Ammoniaks das Metall in rundlichen Körnern erhielten, etwavon der Grösse eines Nadelkopfs, mit sehr starkem Metallglanz 2 ).

Die Legirung, welche aus 63 Proc. Eisen und 37 Proc. Wolfram zu-sammengesetzt ist, daher der Formel Feg W entspricht, wird von Ber-thier beschrieben als von weisserer Farbe und spröderer Beschaffenheitals gewöhnliches Gusseisen, als glänzend, hart und blättriger Structur. Siezeigte sich etwas blasig 3 ).

Nachstehende Beobachtungen über die dreifache Legirung von Eisen,Mangan und Wolfram sind gleichfalls von Bertbier gemacht worden.Das natürliche Wolfram-Mineral gab nach sehr starker Erhitzung in einemkohlengefütterten Tiegel eine Legirung, welche aus 16,4 Proc. Eisen, 5,8 Proc.Mangan und 77,8 Proc. Wolfram bestand, d. h. beinahe der Formel Fe 3 Mn W 4entsprach. Dieselbe erfordert die höchste Ofentemperatur zur Schmel-zung, ist hart, spröde, blättrig und gleicht weissem Roheisen. Mit 14 Ge--wichtstheilen Wolfram und 9,5 Theilen Eisenglühspahn erhielt Berthiereine Legirung, welche aus 43,4 Proc. Eisen, 3,5 Proc. Mangan und 53,1 Proc.Wolfram bestand, d. h. ungefähr der Formel Fe 13 Mn W 4 entsprach. Siewar hart, spröde, blättrig, von platingrauer Farbe und vollständigschmelzbar.

1844 veröffentlichte Duc de Luynes einen Aufsatz über die Dar-stellung des Gussstahls und damascirten Stahls 4 ). In acht der neun Ana-

] ) These presentee ä la Faculte des Sciences de Paris. Par M.AlfredRiche.1857. p. 13. 2 ) A Dictionary of Chemistry and Mineralogy. By A. and C. R.Aikin. 1807. 2. p. 445. 3 ) Tr. 2. p. 215. 4 ) Memoire sur la fabrication delacier fondu et damasse. Par H. de Luynes, Paris 1844. Airs Din gl ers poly-techn. Jonrn. 96. S. 106. 1845.