266 Chemische Eigenschaften.
Karsten fand 0,1774Proc. Calcium in einem Eisen, welches gewöhn-lich als hadrig bezeichnet zu werden pflegt, d. h. einem Eisen, welchesweder roth- noch kaltbrüchig ist, bei dem aber der Zusammenhang derTheile durch den Mangel an Schweissbarkeit theil weise aufgehoben ist.Das Aufspalten der Stäbe unter dem Hammer ist das auffallendste Kenn-zeichen dieser Eigenschaft. Das Eisen erfolgte von Frischprocessen, beiwelchen kohlensaurer Kalk in grosser Menge zugesetzt worden war 1 ).
Eine viel verbreitete Ansicht der Techniker ist, dass wenn Kalksteinzum Ausfüttern der Puddelöfen benutzt werde, man rothbrüchiges Eisenerhalte; doch lässt sich bei dem jetzigen Stand unserer Kenntnisse nichtentscheiden, ob dies von einer Aufnahme von Calcium in das Eisenherrührt.
In vielen Roheisenanalysen wird Calcium angegeben, sehr häufig istes indessen zweifelhaft, ob der gefundene Kalkgehalt nicht von mechanischeingeschlossenen Schlackenpartikelchen herrührt.
[Anm. d. Bearb. In schwedischem Roheisen hat man bis 1,5 Proc.,in Königshütter Roheisen 0,258 Proc., in Müsener Spiegeleisen 0,091 Proc.Calcium gefunden 2 ).]
Eisen und Magnesium.
Berzelius erhielt bei der Erhitzung eines Gemisches von Magnesia,Eisenfeilspähnen und Holzkohlenpulver Anzeichen einer entstehenden Le-girung von Eisen und Magnesium 3 ). Karsten 4 * ) entdeckte niemals eineSpur von Magnesium in irgend einer von ihm analysirten Schmiedeeisen-sorte. Es scheint, dass überhaupt keine zuverlässige Nachricht darübervorliegt, ob und welchen Einfluss Magnesium auf Schmiedeeisen hat.
[Anm. d. Bearb. In Roheisenanalysen findet sich Magnesium zuwei-len als Bestandtheil angeführt, stets aber nur in geringen Mengen, undman muss hier um so mehr geneigt sein, zu glauben, dass dasselbe auseingemengten Schlackentheilchen herrührt, als sich bei der Darstellungdes Magnesiums für technische Zwecke die äusserst geringe Verwandt-schaft desselben zum Eisen durch den Umstand beweist, dass sich dasrohe Magnesium ■ sehr gut aus eisernen Tiegeln in eiserne Gefässe destil-liren lässt, ohne Eisen aufzunehmen 6 ).
In Müsener Spiegeleisen fand Fresenius 6 ) 0,045 Proc. Magnesium,indessen ergiebt sich aus dem Sauerstoffnachweis derselben Analyse, dassauch hier Schlacke eingemengt war.]
>) Eisenhüttenk. I. S. 487. — 2 ) Kerl, Handb. III. 59. — 3 ) Tr. 2. p. 705.
4 ) loco cit. — 6 ) The Mechanic’s Magazine, 1864. Nr. 292 und 294. — 6 ) Kerl,
Handbuch. III. S. 10.