Deutschland.
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Die beschriebenen Kotheisensteine der Lahnmulde spielen für daswestliche Deutschland ungefähr die Rolle, die die Rotheisensteine vonCumberland in England einnehmen, d. h. ihre Förderung übersteigt beiWeitem den Bedarf der umliegenden Werke und versorgt zahlreiche mei-lenweit entfernte Anlagen mit einem vorzüglichen Material zur Eisen-darstellung.
5. Bayern.
Die Eisengewinnung des Königreichs Bayern vertheilt sich auf zweiHauptdistricte, welche hinsichtlich ihrer Lagerstätten einen sehr verschie-denen Charakter zeigen, einen nördlichen und einen südlichen oder alpi-nischen.
Die Eisensteine des nördlichen und bedeutendsten dieser Districtegehören zwei ebenfalls sehr von einander verschiedenen Arten von Lager-stätten an, nämlich einerseits den krystallinischen und älteren sedimen-tären Schiefern, sow’ie zum Theil. dem Granit, worin sie auf Gängen Vor-kommen, und andererseits dem Jura, wcrin sie als Flötze auftreten. Dieersteren gehören dem Fichtelgebirge und dem baierischen Waldgebirge an.
Die Glimmerschiefer des Fichtelgebirges bei Wunsiedel und dieGrauwackenschiefer bei Hof und in der Gegend von Stehen, Naila undSelbitz ') enthalten zahlreiche Gänge, welche Roth-, Spath- und Brauneisen-stein führen. Während die letzteren sich den unter Königreich Sachsenbeschriebenen mit Grünstein verbundenen Eisenerzlagerstätten inniganschliessen, haben die ersteren einen durchaus anderen Charakter, essind Lagergänge. Man kennt einen nordöstlichen Lagerzug bei Trostau,Göpfersgrün, Thierschheim und Kothigen-Biebersbach, welcher besondersam letzteren Orte, wo das Lager 8 bis 16 Fuss mächtig ist, aufgeschlossenist, und einen südlicheren, welcher vorzüglich bei Arzberg ausgebeutet wirdund dort ein 24 Fuss mächtiges Lager enthält. In beiden ist das ErzBraun-, seltener Spatheisenstein. Wie die Arzberger Erze an ein in denkrystallinischen Schiefern auftretendes Kalklager gebunden sind, so auchdie weiter südlich im baierischen Walde auftretenden Brauneisensteinevon Pullenroth und Neuserg. Schliesslich ist des bei Kellberg gelege-nen Arzberges Erwähnung zu thun, der einst Gegenstand eines lebhaftenBergbaues auf Brauneisenstein war.
Yon sehr grosser Bedeutung sind in neuerer Zeit die Eisenerze desfränkischen Jura geworden, nachdem diese Gegenden durch Eisenbahnenbesser aufgeschlossen worden sind. Der braune Jura, dem dieselben an-gehören , enthält beinahe in dem ganzen Gebiete seiner Verbreitung imsüdwestlichen Deutschland parallele Einlagerungen von Braun- oder tho-nigem Rotheisenstein, welche bald vereinzelt, bald mehrfach über einandergelagert auftreten.
') Vergl. v. Viebalin, S. 729 und Cotta, S. 60 und 197.
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