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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Die Eisenerze.

1. Wasser, Kohlensäure, organische Bestandtheile.

Hygroskopisches Wasser. Die Erze werden stets mit mehr oderweniger anhaftendem Wasser, herrührend von dem Grubenbetriebe, Re-gen u. dergl. m., zur Hütte geliefert. Mulmige Erze enthalten oft grosseMengen davon, Stückerze meist weniger. Beim Ankauf nach dem Ge-wichte muss man das Gewicht dieses Wassers berücksichtigen. Man er-mittelt seine Menge am besten unter Anwendung grösserer QuantitätenErz, z. B. 1 bis 5 Centner, welche man in Blechkästen einer Temperaturvon 100° C. aussetzt, bis das Gewicht bei zwei in Zeiträumen von1 U Stunde vorgenommenen Wägungen übereinstimmt. Die nöthige Tem-peratur kann man sich leicht durch die abgehende Hitze irgend einesder Oefen, auf der Gicht oder an den Winderhitzungsapparaten ver-schaffen.

Bei Proben im Laboratorium wepdet man 15 bis 100 Grm. an undtrocknet die gewogene Erzmenge im grob gestossenen Zustande in Por-zellanschälchen oder auf Eisen- oder Kupferblechen bei 100° C. eben-falls so lange, bis zwei auf einander folgende Wägungen übereinstimmen.Als Kennzeichen für das vollendete Trocknen dient auch eine kalte Glas-platte, die, über das Gut gehalten, keine Wassertröpfchen condensiren darf.

Man bezeichnet diese Probe als Nässprobe.

Hydratwasser. Die Hydratwasserbestimmung kommt bei Braun-eisensteinen vor und bei theilweis zersetzten Spath-, seltener bei Magnet-und Rotlieisensteinen. Bei den oxydhaltigen Eisenerzen, also besonders beiden Brauneisensteinen, glüht man und bestimmt das Wasser durch denGewichtsverlust, bei den oxydulhaltigen, namentlich Spatheisenerzen, istes nöthig, das Wasser, welches zu diesem Zwecke in einem Chlorcalcium-rohre aufgefangen wird, durch directe Wägung zu bestimmen. Man thut dasErz in eine Kugelröhre, die mit einem gewogenen Clilorcalium enthalten-den Rohre verbunden wird, und erhitzt es allmälig bis zur Rothgluth.Nur in dem Falle, wenn das Erz keine Kohlensäure enthält, ist es nöthig,trockne Luft durch den Apparat zu leiten. Das Verfahren der directenWägung muss auch angewendet werden , wenn das Erz kohlensaure Er-den (Kalk, Magnesia) enthält. Das Hydratwasser ist nicht immer mitdem Eisenoxyd, sondern oft auch mit der Thonerde oder bei thonhal-tigen Erzen mit der kieselsauren Thonerde verbunden. Ebenso wieein Theil des Rückstandes der Nässeprobe zu der Bestimmung des Hy-dratwassers benutzt werden kann, so der Rückstand dieser letzteren zurweiteren Analyse, wodurch im zweiten Falle doppelte Wägung er-spart wird.

Kohlensäure. Die Kohlensäure der Spath- und Thoneisensteine kannmeistens durch Berechnung leicht gefunden werden. Sie ergiebt sich auchaus dem Gewichtsverlust beim Glühen nach Abzug des etwa vorhandenen