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Schmiedbares Eisen aus Erz.
Die Oefen lassen sich in drei Arten theilen, deren erste an derWestküste Indiens angewendet wird, in den westlichen Ghäts und meistauch im Deccan und Carnatien und welche die roheste Ofenform darstellt.Sie findet ihre Anwendung eben zwischen den am wenigsten civilisirtenDistricten unter den das Hügelland bewohnenden Volksstämmen. Diezweite und dritte Art wird in Mittel-Indien und in den nordwestlichenProvinzen angewendet, erstere gleicht der einfachsten Form der Catalo-nischen Feuer, letztere der der Stücköfen Europas; beide sind weit voll-kommener als die Oefen der Westküste, namentlich auch in Bezug aufihre Productionsfähigkeit.
Als Gebläse dienen Balgen von ganz anderem Aussehen, als demfür einen Europäer gewohnten. Die Balgen bestehen nämlich meistentheilsaus der Haut eines Böckleins oder einer Ziege, welche dem Thiere ab-gezogen worden ist, nachdem nur der hintere Theil aufgeschnitten war;die den Beinen entsprechenden Oeffnungen werden zugenäht, in die Hals-öffnung dagegen wird eine Düse aus Bambus eingesetzt, während dasSchwanzende quer abgeschnitten ist, um, nachdem die Kanten zusammen-gefasst sind, einen langen geraden Schlitz zum Einlassen der Luft zubilden. An den beiden Rändern dieses Schlitzes, obwohl nicht in ihrerganzen Länge, sind nach Aussen zu Stücke gespaltenen Bambusrohresbefestigt, vermöge deren die Oeffnung sich leicht erweitern oder schliessenlässt und die Wirkung eines Ventils erhält. Die Haut muss durch Ein-reiben mitOel oder Buttermilch sehr geschmeidig gemacht werden. JederOfen erhält wenigstens zwei solcher Bälge, die von Einem Manne bewegtwerden. Dieser letztere sitzt mit gekreuzten Beinen auf der Erde zwi-schen jenen und bearbeitet sie abwechselnd, um so einen ununterbroche-nen und regelmässigen Windstrom zu erzielen. Das Verfahren ist fol-gendes: Um einen Balg zu füllen, lässt er den unteren Rand des Schlitzesherabsinken und hebt den oberen vermittelst eines um seine Hand ge-schlungenen Lederriemens. Dann, nachdem die Luft den Balg vollständigerfüllt und ihm die Form eines konischen Sacks gegeben hat, fasst erschnell den unteren Rand, schliesst das Ventil und wirft sich mit seinerganzen Wucht auf den aufgeblasenen Balg, wodurch er die darin ent-haltene Luft zum Austritt aus der Düse und zum Eintritt in den Ofenzwingt. Grosse derartige Balgen werden aus Büffelhaut gefertigt; sieunterscheiden sich dann nur dadurch von den beschriebenen, dass dieBambusstreifen an einem Ende des als Ventil dienenden Schlitzes gleich-sam zu einem Charnier zusammengeheftet werden und sich nur an der an-deren Seite, wo sie über die Breite der Haut hinaus als Handhaben ver-längert sind, öffnen lassen. Ein solcher Balg erfordert indessen für sichallein einen Mann zur Bedienung.
Eine andere Art Balgen wird auf folgende Weise angefertigt: Dasoffene Ende des Felles wird in der Weise zusammengefasst, dass dieKante der einen Seite lappenartig etwa 4 Zoll über die andere greift.Die obere und untere Ecke wird zusammengenäht, so dass nur ein Schlitz