Buch 
[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
Entstehung
Seite
497
JPEG-Download
 

Asien.

497

Seite des Balges mit einem Iiolzknebel versehen ist, um sein Heraus-gleiten zu verhindern, während das andere Ende an eine gebogene, festim Boden neben dem Ofen befestigte Bambusstange gebunden ist. DiesBambusrohr wirkt als Feder und zieht den Strick und folglich die Haut-bedeckung des Balges so hoch als möglich, während die Luft neben demStricke durch das Loch in den Hohlraum tritt. Ist der Balg so gefüllt,so stellt der Arbeiter seinen Fuss auf die Haut, schliesst dabei mit derFerse das Loch in deren Mitte und presst mit dem ganzen Gewicht sei-nes Körpers die Haut hinab und die Luft hinaus. Letztere nimmt ihrenWeg durch ein Bambusrohr, welches den Balg mit der Form des Ofensin Verbindung setzt. Zugleich zieht er den Bambusstock an derselbenSeite mit dem Arme nieder. Es sind nun zwei derartige Balge nebeneinander aufgestellt, welche, vermittelst Bambusrohren mit derselben Formin Verbindung gesetzt, die Luft beim Drucke des einen oder des anderenFusses abwechselnd und ziemlich ununterbrochen in den Ofen liefern ').

Die nebenstehenden Skizzen, obwohl hinsichtlich der Sauberkeit derAusführung idealisirt, geben doch die richtigen und genauen am Originalabgenommenen Maasse. Der Eingeborene sieht freilich viel zu verständigund reinlich für einen wirklichen Kuli aus.

Zweite Ofenart. Die zweite Ofenart wird in Central-Indien undin den nordwestlichen Provinzen benutzt, wo Industrie aller Art weithöher entwickelt als in den vorher beschriebenen Districten ist.

Hier haben sich die Eisenhüttenleute in Dörfer vereinigt, derenLage sich natürlich nach dem Vorkommen von Erz und einem für dieKohlenerzeugung geeigneten Holze richtet. In den grösseren Dörfernfindet man meist eine durchgeführte Arbeitstheilung; Bergleute, Köhler,Schmelzer und Schmiede bilden verschiedene Classen. Das Eisen wirdnicht selten zum Verkauf in beträchtliche Entfernungen von dem Er-zeugungsorte gesendet.

Die Beschreibung von dieser zweiten sowohl als von der drittenOfenart sind nach Beispielen aus Tendukera gegeben, welches wahrschein-lich die grösste Eisenhüttenstadt Indiens ist und 50 bis 60 Schmelzöfenumfasst.

Die zweite Ofenart nun besteht in einem Wall von gut gebranntemThon, in welchem sich eine oder mehrere (bis drei), in passenden Ent-fernungen von einander angelegte, cylindrische Schächte befinden, jederetwa 15 bis 18 Zoll im Durchmesser, 2 V j Fuss tief, am Boden mit zweiOeffnungen an gegenüberliegenden Seiten versehen.

Die Art wie Erz und Kohle vorbereitet und der Ofen in Betrieb ge-setzt wird, weicht von der oben beschriebenen nicht ab. Ist der Ofenmit Holzkohle gefüllt und das Gebläse angelassen, so wird Erz und

J ) Dieser Gebläseapparat war auch von Robert Rose in the Gleanings ofScience Nr. 34, October 1831, Caleutta, abgebildet und zu Amdeah bei Sambhalpurbeobachtet worden.

Percy, Metallurgie. II.

32