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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Schmiedbares Eisen aus Erz.

Luftstrom erzeugt. Die niedliche Inderin (Fig. 23) dürfte wohl nicht ver-fehlen die Theilnahme des Lesers zu erregen.

Man sollte natürlich vermuthen, dass diese gierigen Eisenwerke, diegewöhnlich jede lebende Pflanze in ihrer Nachbarschaft vernichten undeine prächtige Landschaft in eine grässliche Einöde verwandeln, von Dr.Ilooker, dem eifrigen Botaniker, mit besonderem Abscheu betrachtetworden wären, aber ganz im Gegentheil wird derselbe sogar poetisch, indemer die Scene wie folgt beschreibt: Wenige Häuser waren sichtbar, aberder aus den Thälern aufwirbelnde Rauch verrietli ihren Versteck, währendder Klang der Hämmer aus den ferneren Eisenhütten von allen Seiteneigentliümlich musikalisch und reizend erscholl; er traf das Ohr wieGlocken hei bewegter Luft, jeder Schlag melodisch und harmonisch mitden anderen stimmend. Die Einsamkeit und Schönheit der Gegend unddie Bilder, welche aufstiegen bei der Musik der Hämmer, besänftigtenunseren von den Strapazen der Reise ermüdeten und von den stets an-gespannte Aufmerksamkeit erfordernden Studien erregten Geist; und alswir für einige Zeit ausruhten, wanderten unsere Gedanken zu fernenScenen, welche die heimathlichen Klänge hervorzauberten *). Ob diesüsse Musik der Hämmer oder der Gedankengang, welchen sie an-regten, den Verfasser zu diesem Ergüsse angeregt haben, mag schwer zuentscheiden sein 2 ).

Eine zweite abweichende Einrichtung, bei welcher indessen dieselbenGebläse wie hei der vorhergehenden angewendet zu werden scheinen unddie auch in derselben Gegend 8 ) benutzt wird, ist von W. Cracroft be-schrieben 4 * * * ).

Man hat grosse Rasenhütten gegen 25 Fuss hoch und mit einemringsum bis zur Erde reichenden Strohdach. Das Innere, von ovalerForm, 15 und 20 Fuss in den Durchmessern, ist in drei Abtheilungen ge-theilt, deren mittlere der Schmelzraum ist. Zwei grosse Doppelbalge,deren Düsen abwärts gehen, sind an der einen Seite dieser Abtheilungaufgestellt; auf denselben steht ein Mann, mit einem Fuss auf jedem,seinen Rücken unterstützt durch zwei Bretter. In seiner linken Handhält er einen Stecken, welcher am Dach aufgehängt und mit zwei an denBalgen befestigten Stricken nach unten zu versehen ist. Die Balge wer-den sehr schnell durch eine schaukelnde Bewegung der Lenden und dieGewalt des Beines bewegt. Die Düsen vereinigen sich zu einer Röhre,welche unterhalb des Erdbodens von einer Art Windsammler zu dem

4 ) Op. eit. 2. p. 295. 2 ) Percy, freilich nur an die lärmenden WerkeEnglands gewöhnt, scheint einigermaassen die Möglichkeit einer Musik der Hämmerzu bezweifeln, wer von unseren Lesern indessen an stillem Abend diesen Tönen

von den Höhen des Siegerlandes oder in den Wäldern Schlesiens gelauscht hat,

wird den Oedankengang des Dr. Hooker sehr begreiflich finden. s ) In dieser

Quelle Kasya-Berge genannt. 4 ) Smelting of iron in the Kasya-Hills; Journal

of the Asiatie Soc. of Bengal, 1832, 1. p. 150, wobei sich eine Radirung vonJ. Prinsep nach einer Zeichnung des W. Cracroft befindet.