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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Asien.

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etwa 4 Fuss davon angelegten Ofenheerd läuft. Ueber dem Heerde istein mit Eisenbändern versehener Rauchfang von Pfeifenthon mit 2 Fussunterem Durchmesser und etwa 6 Fuss Höhe angebracht. Die untereMündung befindet sich an der von den Balgen abliegenden Seite und dieEsse ist in entgegengesetzter Richtung geneigt, um die heisse Luft vomSchmelzer ab und nach einer Oeffnung im Dache zu führen. Rechts vondem Gebläse und in gleicher Höhe mit dem obersten Theil des Rauchfangesbefindet sich ein Trog, welcher feuchte Holzkohle und Eisensand enthält.Bei jeder Bewegung seines Körpers greift der Arbeiter mit einem langenLöffel ein Stück Holzkohle und wirft es sammt dem anhängenden Eisen-sand durch die Esse des Ofens. Sobald eine Masse geschmolzenen oderbesser erweichten Eisens sich in dem Heerde gebildet hat, wird sie mitZangen herausgeholt und mit einem schweren hölzernen Schlägel auf einemgrossen als Amboss dienenden Stein bearbeitet. Das Eisen wird dann indiesem Zustande in die Ebenen hinabgesendet, theils zum Verkauf, theilszum Tausch. Der hierbei benutzte feuerfeste Thon soll in grosser Mengein der Nähe eines benachbarten Kalksteinhügels gewonnen werden.

Oekonomische Resultate.

Einige wenige zuverlässige Angaben über das Ausbringen und dieKosten der Eisenerzeugung und Verarbeitung in Indien durch die landes-üblichen Methoden dürften von Interesse und wohl ganz geeignet sein,europäische Eisenhüttenleute in Erstaunen zu setzen. In Süd-Indienwurden 1844 Deule, wie sie aus den Oefen kommen, im Gewichte vonetwa 10 Pfund zu 2 Annas oder 2y 2 Sgr. verkauft. Bei der Weiterver-arbeitung geben indessen die besten Deule nur etwa 5 1 / i und gewöhn-lich nicht über 2 3 /4 Pfund. Die Kosten, welche das Schmieden der rohenLuppen zu rohen Stäben mit dem Handhammer verursacht, lassen sichauf 2 Rupees oder 1 Thlr. 10 Sgr. pro Centner der ersteren veranschla-gen, so dass die Kosten des Stabeisens etwa 4 Rupees oder 2 Thlr. 20 Sgr.pro Centner betragen mögen, welches zu derselben Zeit, wo diese An-gaben veröffentlicht wurden, weniger war als der Marktpreis des billig-sten englischen Stabeisens zu Madras *).

Für einen etwa 4 Fuss hohen Ofen sind vier Arbeiter erforderlich,ein Meister und drei Gehülfen, welche nur 3 Deule in 12 Stunden dar-stellen. Capitain Campbell giebt an, dass er in ebenso kleinen Gebläse-öfen mit zwei Leuten 36 Pfund rohes oder Kolbeneisen in derselben Zeitund bei einem Aufwande von nur der Hälfte der Erz- und Holzkohlen-menge erzeugen könne 2 ). Derselbe Autor fügt indessen bei, dass das

J ) Capitain Campbell, auf dessen Autorität hin diese Angaben gemacht wur-den, verbesserte die Schätzung später auf 4Y 2 Rupees oder 4 Thlr. pro CentnerStabeisen, weil er nicht hinlänglichen Abgang beim Schmieden angenommen habe. 2 ) Appendix to the Report on the Government Central-Museum of Madras,p. 14.