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Schmiedbares Eisen aus Erz.
Der grosse Unterschied in den Preisen beider Bezirke wird haupt-sächlich der Qualität des Erzes zugeschrieben, rührt aber wohl theilweiseauch von der besseren Beschaffenheit der Oefen und der rationelleren Art,in welcher die Eisenerzeugung in Tendukera im Vergleich mit Chandghurgetrieben wird. Hierzu kommt noch die zu Tendukera eingeführte Thei-lung der Arbeit in Bergbau, Köhlerei und Hüttenbetrieb. Alles Eisenwird von den Producenten durch Banier oder Kaufleute verkauft, dereneinige einen bedeutenden Reichthum besitzen. Sie versorgen das Landumher, zuweilen im Umkreise von 50 bis 60 Meilen mit allen SortenEisenwaaren.
Obschon, bemerkt H. Blackwell, die Quantität an Eisen, welchezu Tendukera erzeugt wird, wahrscheinlich grösser ist, als die in irgendeiner anderen Stadt Indiens producirte, so ist sie fast lächerlich klein imVergleich mit europäischen Werken, denn sie erreicht nur etwa 400 bis500 Centner wöchentlich durch 8 bis 9 Monate im Jahre, da in derRegenzeit wegen der Schwierigkeit, Holzkohle und Erz zu erlangen, dieOefen kalt liegen. Uebrigens machte Capitain Franklin vor einigen30 Jahren zu Tendukera auf inländischen Oefen so viel Eisen, dass erdamit eine Hängebrücke bauen konnte.
Hinsichtlich der Anlage von Eisenhütten nach europäischem Musterim Nerbudda-Thal, wo Erz, Holz und Steinkohle leicht zu erlangen sind,sagt Blackwell am Schlüsse seines Berichtes, er habe keinen Zweifel,dass Eisen dort billiger hergestellt, als von England, von wo die Frachtallein 1 Thlr. 20 Sgr. bis 2 Thlr. pro Centner koste, eingeführt werdenkönne.
Dies wird um so einleuchtender, wenn man bedenkt, dass selbst zuTendukera, trotz der dort verhältnissmässig vorgeschrittenen Entwicklungder Eisenindustrie, noch viele Verbesserungen leicht eingeführt werdenkönnten, denn nicht nur das Schmelzen, sondern der Bergbau und dieKöhlerei liegen offenbar noch sehr im Argen, so dass, selbst wenn derHüttenprocess der Eingebornen beibehalten würde, sich doch das Eisennoch bedeutend billiger als bisher hersteilen Hesse.
2. Eisenerzeugung in Burma Q.
Die folgende Beschreibung ist von dem früheren Schüler des Ver-fassers, Herrn W. T. Rlanford, bei der geologischen Behörde- Indiensbeschäftigt, geliefert worden.
Eisen wird an mehreren Orten von Ober-Burma erzeugt, indessenkommt die grösste Menge von der Umgegend der Stadt Puppa (die auchPaopa, Poulepa etc. geschrieben wird), welche etwa 6 1 f t Meile östlich vom
r ) Das Innere des nordwestlichen Hinter-Indiens, auf deutschen Karten ge-wöhnlich Birma oder Mranma genannt, während Pegu der den Engländern ge-hörige Küstenstrich ist.