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Schmiedbares Eisen aus Erz.
fern. Ihre Eisenerzeugungsmethode besteht seit undenklichen Zeiten inder directen Darstellung aus Erzen, so dass nicht einmal eine Ueberlie-ferung den Urheber dieser Kunst nennt. Die folgende Beschreibung istaus Schwaner’s Reisen 1 ) entnommen.
Unter allen Bewohnern des südöstlichen Theiles von Borneo ver-stehen nur diejenigen des Districts Doeson Oeloe die Kunst Eisen zuschmelzen und zu Schwertklingen zu verarbeiten. Von dort wird dasEisen in alle übrigen Theile des Landes versendet, wo man es dem eng-lischen Eisen vorzieht, da es erfahrungsmässig schärfere und dabei ela-stischere Klingen liefert. Das Erz, welches dazu verwendet wird, istThoneisenstein aus dem Braunkohlengebirge, aus welchem alle Hügel derGegend bestehen sollen. Die den Eisenstein enthaltenden Schichten wer-den vom Barito-Fluss durchschnitten und sind bei tiefem Wasserstandein dem Bette desselben sichtbar. Die Eingebornen benutzen diesenUmstand zur Gewinnung des durch die Einwirkung des Wassers hiermehr oder weniger in Brauneisenstein umgewandelten Erzes.
Der Schmelzofen ist cylindrisch, etwa 3 Fuss 2 ) 3 Zoll hoch, 9 Fuss10 Zoll im äusseren Durchmesser und 2 Fuss dick. Er ist aus gelbem,aus dem Flussbett gewonnenen Thon gebaut und rings von Bambusreifenumgeben. Im Innern scheint er der Beschreibung nach entweder gleich-massig in seinen Dimensionen oder pyramidal nach unten verjüngt zusein, während der Heerd rechteckig ist, bei 1 Fuss 7 Zoll Breite, 2 FussLänge und 9 Zoll Tiefe. Jeder Ofen hat drei Thonformen von 11 ZollLänge und einer von 2'/ 2 auf 1 Zoll abnehmenden Weite. Für die Schlackeist eine Oeffnung gemacht und eine Höhlung zu deren Aufnahme.
Das Gebläse besteht aus einem einfach wirkenden Holzcylinder, deroben offen, am Boden geschlossen ist. Er ist aus dem ausgehöhlten Stammeines Baumes angefertigt, hat 5V 2 Fuss Höhe und 3 Fuss im Umfange.Wahrscheinlich befindet sich ein Ventil, welches sich nach Innen öffnet,auf einer Seite des Bodens, obschon seiner nicht Erwähnung geschieht.Derartige Ventile haben wenigstens die in China gebräuchlichen Gebläse-maschinen, welche ganz von Holz gemacht sind und dennoch recht dichtscliliessen. Der Wind wird vom Boden des Cylinders durch Bambus-rohren von etwa 2 Fuss 5 Zoll Länge zu den Formen geführt. Der Kol-
J ) Reisen in Borneo, von Dr. C. A. L- M. Sehwaner in den Jahren 1843bis 1847, S. 109, in holländischer Sprache gedruckt. Die allerdings etwas ver-worrene Beschreibung ist durch eine farbige Lithographie des Schmelzprocessesveranschaulicht.. Professor S. Bleekrode zu Delft giebt indessen in einem inter-essanten Aufsatz über Eisenschlacken, welche in Holland Vorkommen, an, dassdiese Zeichnung vom Lithographen vollständig geändert und verdorben wordenist, und er hat diese Arbeit gleichfalls mit einer nach Schwan er’s Original Zeich-nung hergestellten getuschten Lithographie versehen. Der Titel dieses Aufsatzesist: De Ijzerslakken in Nederland en de Ijzerbereiding in Vroegeren Tijd, doorProf. S. Bleekrode. Amsterdam (circa 1857). — 2 ) Es sind hier jedenfalls nieder-ländische Fusse gemeint, deren jeder gleich den alten französischen Fussen =1,0350 Fuss preussisch war und in 12 Zolle getheilt wurde.