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Schmiedbares Eisen aus Erz.
Der berühmte 1 ) Afrikareisende Dr. II. Barth berichtet in der Be-schreibung seiner in den Jahren 1849 bis 1855 ausgeführten Reisen undEntdeckungen mehrfach über die zahlreichen Gegenstände von Eisen, dieim Innern Afrikas angefertigt werden und zum grossen Theil von einerziemlich hohen Stufe der Vollkommenheit in diesem Industriezweig Zeug-niss ablegen 2 ).
In Kano, dieser berühmten Handelsstadt. Central-Afrikas 3 ), bildetdas Eisen einen bedeutenden Industriezweig, indem es hier in grosserMenge zu Speeren, Lanzen, Dolchen, Ackergeräthschaften, Steigbügelnund Zaumketten verarbeitet wird, obwohl es keineswegs von solcher Gütesein soll, wie das von Wändala (Mandara) und Buban-Djldda.
Aus dem Grenzlande der Marglii, zwischen Bornü undAdamana, be-richtet Barth von einem Schmied, welchen er unter einem üppig auf-gewachsenen Tamarindenbaum traf, unter dessen Schatten jener seineeinfache Werkstätte aufgeschlagen hatte. Der Arbeiter waren drei. DerMeister hämmerte das im Feuer liegende Eisen, ein Knabe fachte dasFeuer mittelst eines kleinen Blasebalges — bubutu — an und ein er-wachsener Bursche befestigte das Eisen an einem Stiel. Nahe bei ihnenlag ein vollendeter Speer am Boden. Auf eine Anfrage nach dem Ur-sprung des Eisens wurde Madegele in Buhandjidda angegeben. Es wirddort für das beste Eisen angesehen. — Auf seiner Rückkehr von Ada-mana durch dasselbe Land fand der Reisende seinen Wirtli zu Issegereich mit Eisen geschmückt. Er trug um den Hals und bis auf die Brustherabreichend einen Schmuck von zwei Reihen Eisen- (oder Stahl-) Perlen,am linken Oberarm vier breite Eisenringe, am Elbogen zwei andereschmale, sehr niedliche, wie aus Perlen zusammengesetzte und amHandgelenk drei Eisenringe. Auch am rechten Arm befanden sich vierund am Fussgelenk ein derartiger. Andere seiner Landsleute warennoch reicher mit Eisen geschmückt, sie hatten eiserne Kettchen um ihreHüften. Das nahe gelegene Mora ist der Hauptmarkt für derartigeGegenstände, welche ebensowohl als Proben des vortrefflichen Eisens,welches die Eingehornen besitzen, als auch als Zeugniss ihrer Kunst-fertigkeit dienen.
Von den Ländern Ost-Sudans am Tsad-See sagt derselbe Reisende,dass in Baglffrmi zwar Bergbau auf Eisen nicht getrieben werde, dass abernamentlich aus Gurgura, einem 20 bis 25 Meilen vom Flusse entferntenOrte, wo der Sandstein beträchtlich viel Erz zu enthalten scheine, Eiseneingeführt werde, während in Wädal der Kunstfleiss nur die rohestenErzeugnisse, wie Waffen und Ackergeräthe, aus einheimischem Eisen liefere.
*) Leider zu gerade der Zeit, wo diese Zeilen geschrieben wurden, zu Berlinverstorben. — 2 ) Dr. Heinrich Barth’s Reisen und Entdeckungen in Nord-nnd Central-Afrika. — s ) In Haussa, westlich vom Tsad-See.