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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Afrika.

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deren jede drei Thonröhren gelegt und ringsum derartig verklebt waren,dass nur durch ihre Oeffnungen Luft in den Ofen gelangen konnte undvermittelst Oeffnens oder Schliessens derselben der Ofenbetrieb regulirtwerden konnte. Diese Röhren waren aus einer Mischung von Thon undGras um einen glatten Holzkern geformt, welcher, sobald die Masse zuerhärten anfing, herausgezogen wurde, worauf die Röhre an der Sonnevollends trocknete. Der Eisenstein, den ich sah, war sehr schwer, vonmatter rother Farbe, mit graulichen Flecken; er wurde zu Stücken vonHühnereigrösse zerbrochen. Zuerst wurde ein Bündel trocknen Holzesin den Ofen gesteckt und dieses mit einer beträchtlichen Menge Holz-kohle beschüttet, welche fertig gebrannt aus den Wäldern kam. Hieraufkam eine Lage Eisenstein, dann eine zweite Lage Holzkohle und so fort,bis der Ofen ganz voll war. Das Feuer wurde durch eine der Röhrenangezündet und für einige Zeit mit Bälgen von Geishaut angefacht. ZuAnfang ging die Operation sehr langsam vorwärts, und erst nach mehrerenStunden erschien die Flamme an der Gicht; aber hierauf brannte dasFeuer mit grosser Heftigkeit die ganze erste Nacht, während welcher dieArbeiter hin und wieder frische Holzkohle aufwarfen. Am folgendenTage war das Feuer nicht so heftig und in der zweiten Nacht wurdeneinige der Röhren herausgezogen, um der Luft freien Zutritt in denOfen zu gestatten; indessen war die Hitze noch immer sehr hoch undeine bläuliche Flamme erhob sich einige Fuss über die Gicht des Ofens.Am dritten Tage seit Anfang des Betriebes wurden alle Röhren heraus-genommen, deren Enden zum Theil von der Hitze verglast waren; aberdas Metall wurde erst nach einigen Tagen, nachdem das Ganze vollständigkalt geworden war, entfernt. Nun wurde nämlich ein Theil des Ofensniedergerissen und das Eisen zeigte sich in der Form einer grossen, un-regelmässigen Masse, an welcher Holzkohlenstüeke anhingen. Es warklingend und wenn irgend ein Theil losgebrochen wurde, so zeigte erein körniges Aussehen, wie gebrochener Stahl. Der Eigenthümer theiltemir mit, dass viele Theile dieses Deuls unbrauchbar wären; indessen fandsich genug gutes Eisen, um ihn für seine Mühe zu bezahlen. Dies Eisenoder vielmehr der Stahl wird zu verschiedenen Instrumenten ausgeschmie-det, wobei es wiederholentlich im Schmiedfeuer erhitzt wird. Den Windhierzu liefert ein Paar Doppelbalgen von sehr einfacher Construction,welche aus Geishaut hergestellt sind und deren Blaseröhren sich ver-einigen, ehe sie in das Feuer münden, in Folge dessen sie einen bestän-digen und sehr gleichmässigen Luftstrom liefern. Der Hammer, dieZange und der Amboss sind sämmtlich sehr einfach, aber das Product(welches vorzüglich in Messern uud Scheeren besteht) ist nicht zu tadeln.Das Eisen ist übrigens hart und spröde und erfordert viel Arbeit, bevores seinem Endzwecke entspricht *).

J ) Travels in the Interior Distriots of Africa. By Mungo Park, Surgeon.London, 1799, p. 283 bis 285.

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