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Schmiedbares Eisen aus Erz.
der Berge, der Amboliimiangavo, ist so eisenreich, dass er der Eisenberggenannt wird. Das Erz tritt schon in der Nähe der Oberfläche insolcher Menge auf, dass der Boden selten mehr als bis zu einigen FussenTiefe bearbeitet zu werden brauchte, obwohl die Eingebornen seit Ge-nerationen an die Benutzung des Eisens gewöhnt sind ’). Die dortigenOefen werden stets in der Nähe eines Stromes gebaut und das Erz wird,nachdem die grossen zusammengelesenen Stücke in kleinere zerbrochensind, von erdigen Beimengungen durch häufiges Waschen befreit. DieWände der Oefen, welche gewöhnlich 2 bis 3 Fuss in den Erdbodenreichen, werden aus Stein errichtet und von aussen mit Thon bekleidet.Eine kleine Menge Brennmaterial wird auf dem Boden des Ofens an-gezündet, dieser dann mit Erz gefüllt, welches entweder mit Holzkohlegemischt oder mit dieser in abwechselnden Schichten aufgegeben wird,worauf schliesslich die Gicht mit einer dicken Thonschicht bedeckt wird.Der Wind wird durch zwei Paar Kolben erzeugt, welche in hölzernen,gewöhnlich durch einen Theil eines ausgehühlten Baumes gebildetenCylindern arbeiten. Von dem Boden jedes Cylinders führt ein Rohr,welches aus Bambus oder aus einem alten Flintenlauf hergestellt ist,durch ein in den Steinwänden angebrachtes Loch in den Ofen. Nachdemder Inhalt des Ofens einige Zeit lang in Weissglutli erhalten worden,lässt man ihn abkühlen, und findet dann das Eisen in Klumpen auf demBoden. In diesem Zustande sowohl, als auch nach abermaligem Er-hitzen und Aushämmern zu Stäben und Stangen, wird es in die Regie-rungsmagazine oder zum Markt für den Verkauf geschafft.
Die Schmiede des eingebornen Eisenarbeiters ist ein sehr einfachesDing. Der irdene Boden seines Hauses bildet zugleich den Heerd fürsein Feuer, welches durch drei oder vier Steine zusammengehalten wird.Der Amboss, welcher etwa 6 Zoll im Quadrat und 6 Zoll hoch ist, findetsich in ein dickes, im Boden befestigtes Holzstück eingelassen, dabei derWassertrog sammt Zangen, Hämmern und anderem Gezähe. Der Schmiedkauert auf einem Brette an der Erde und seine Gehülfen sitzen oderstehen ihm gegenüber mit Schmiedhämmern in ihren Händen, zum Zu-schlägen bereit.
Der Autor hat seine Beschreibung mit einem Steinschnitt begleitet,welcher, obschon er wegen mangelnder Einzelnheiten wenig Interesse fürden Metallurgen bietet, ohne Zweifel ein getreues allgemeines Bild dermadagaskisclien Eisenwerke giebt.
*) Nach Crawford, dem früheren Gouverneur von Singapore, ist auf Grundder Aehnlichkeit des malasgischen Wortes für Eisen und des entsprechenden ma-layischen und mit Rücksicht auf andere ähnliche Dinge anzunehmen, dass dieKunst der Eisenerzeugung in Madagaskar malayischen Ursprungs ist, zumal sieim ganzen indischen Arehipelagus allgemein wohl bekannt ist und ausgeübt wird.