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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Europa.

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III. Europa.

Die Methode der Schmiedeisendarstellung aus Erzen war in Europain früheren Zeiten ebenso allgemein, wie sie es jetzt noch in wenigercivilisirten Ländern ist, aber sie ist besonders seit der letzten Hälfte desvorigen Jahrhunderts ') so sehr durch den mittelbaren Process verdrängtworden, dass sie nur noch in sehr wenigen holzreichen Gegenden be-stehen geblieben ist. Obwohl daher die Beschreibung der hierzu benutz-ten Apparate und Werkzeuge nur ein geringes praktisches Interesse fürdie Jetztzeit bietet, so ist doch die Darstellung des Processes selbst fürdie weitere Entwicklung der Theorie der Eisenerzeugung im Allgemeinennotbwendig. Man bezeichnet die Arbeit, durch welche unmittelbar ausden Eisenerzen Schmiedeisen dargestellt wird, bekanntlich als Renn-arbeit; wird die Rennarbeit in Ileerden ausgeführt, so bezeichnet mansie als Luppenfrischarbeit, benutzt man dagegen Schachtöfen dazu,so nennt man sie Stückofenwirthschaft.

1. Die Luppenfriseharbeit.

a. Die eatalonische Luppenfriseharbeit (Catalan Process).

Die eatalonische Luppenfriseharbeit hat ihren Namen von der Pro-vinz Catalonia im nördlichen Spanien, wo sie wahrscheinlicher Weisezuerst von den Ländern West-Europas eingeführt worden ist. Eine denIleerd sammt Zubehör enthaltende Hütte nennt man catalonisches Feuer(.forge Catalane, franz., Catalan forge, engl.). Die Literatur über diesenGegenstand ist sehr reich, das Folgende ist aber hauptsächlich aus denvorzüglichen Abhandlungen von Richard und Frangois 2 ) geschöpft.Bis zur neuesten Zeit wurde die Luppenfriseharbeit in nicht unbedeuten-dem Maassstabe im südlichen Frankreich, besonders im DepartementAriege, welches von Catalonien durch die Pyrenäen getrennt ist, ausge-führt. Jetzt aber ist die Zahl der Feuer sehr gesunken, und die amt-liche Statistik von 1858 8 ) giebt nur noch 88 an, von denen nicht ein-mal angedeutet wird, ob sie wirklich im Betrieb sind. Hiervon kommtüber die Hälfte, nämlich 45, auf die Provinz Ariege, 24 auf die ProvinzI'yrenees-Orientales, 9 auf Aude, 4 auf Haute-Garonne, 3 auf Basses-

] ) 1798 verliess man die Rennarbeit in Schlesien, in der Mitte des 18. Jahr-hunderts am Harze (Kerl, Hiittenk. III, 206). s ) Etudes sur lart dextraireimmediatement le fer de ses minerais sans convertir le metal en fönte. Par T.Richard. 4to. pp. 370, mit Folio-Atlas von 9 lithographirten Tafeln. Paris 1838.Recherehes sur le gisement et le traitement direct des minerais de fer dans lesPyrenees, particnlierement dans lAriege. Par M. Jules Francois. 4to. pp. 404, mitAtlas von 10 Kupfertafeln. Paris 1843. 3 ) Resume des travaux etc.