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Oatalonische Luppenfrischarbeit.
Widerstand findet. Die angedeutete Tendenz eines sehr basischen Silicates,in den Zustand des Singulosilicates zurückzugehen, giebt den Holzkoh-lenstücken eine energische reducirende Wirkung, weil dieselben nichtnur als eingeschobene Körper wirken, sondern zugleich bei ihrer Ver-brennung vor dem Gebläse in ihrer Umgehung eine hohe Temperaturund die Bildung reducirender Gasarten veranlassen. — Diese, sowie diebereits angegebenen Erklärungen Frangois’, welche sich auf die An-nahme eines basischeren Silicates als des Singulosilicates gründen, könnenbezweifelt werden, wenn man die Bildung eines basischeren Silicats über-haupt nicht zulässt'). Da indessen die Vorgänge in dieser Beziehungden beim Frischprocess eintretenden ganz analog sind, so werden dieabweichenden Ansichten dort erläutert und begründet werden.
Frangois giebt an, dass die äussere Fläche der metallischen Häut-chen stets mit chokoladenbraunen Krystallen eines Singulosilicates besetztsind, und dass die Schlacke, wenn sie flüssig wird, unveränderlich jenenSilicirungsgrad besitzt, wenn die Operation nicht schlecht geleitet oderzu sehr übereilt wird. Uebrigens bildet sich in Folge des Reichthumsdes Erzkleins an erdigen Bestandtheilen, namentlich Kieselsäure, eineverhältnissmässig grosse Menge Schlacke.
Die Äeduction und Verschlackung der Bestandtheile des Erzkleinsgreift zwar sehr schnell um sich, aber die erstere ist bei Weitem nichtvollkommen, da die Schlacken des ersten Abstichs stets mehr Eisen ent-halten, als einem Singulosilicate entsprechen würde und daher oft in denOfen zurückgebracht werden. Es würde durch derartige stark basischeSchlacken stets eine Entkohlung des Eisens stattfinden, falls letzteresKohlenstoff aufgenommen haben sollte, indem sich Kohlenoxydgas bildet.Richard geht mit Rücksicht auf die Unvollkommenheit der Erzklein-reduction so weit, zu behaupten, dass das Eisenoxyd überhaupt nichtreducirt werde 2 ), und dass der einzige Zweck des Erzkleins sei, Eisen-stücke, welche schon reducirt und gekohlt sind, vor Oxydation und Ent-kohlung zu schützen, wenn der Schmelzer diese Stücken allmälig derFormmündung näher rückt, um sie schliesslich zusammenzuschweissen.Dort wirkt nämlich die Feueratmosphäre in der That sehr oxydirend undein unredlicher Frischer benutzt zuweilen diese Eigenschaft, um dieSchirbeln des letzten Deuls beim Erhitzen theilweise zu verbrennen unddas seinem Vorarbeiter so entzogene Eisen seinem eigenen Deule hinzu-zufügen.
Dass die reducirten Eisentheile eine beträchtliche Menge Kohlen-stoff aufnehmen können, ist sowohl durch die bereits mitgetheilten Ana-lysen nachgewiesen, als es auch die noch folgenden darthun werden, undes wird daher eine darauf folgende Entkohlung durch eine sehr basischeSchlacke, welche im Wesentlichen aus kieselsaurem Eisenoxydul besteht,eine beständig auftretende Erscheinung im catalonischen Feuer sein.
*) Vergl. S- 124. — 2 ) Op. cit. p. 283.