Corsicanische Luppen frischarbeit.'
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l). Pie corsicanische oder italienische Luppenfrischarbeit >)•
Die corsicanische Luppenfrischmethode bietet verschiedene inter-essante Punkte. Der dazu verwendete Heerd ist in der That nichtsweiter, als ein gewöhnliches Schmiedfeuer. Auch diese Arbeit scheintseit sehr alten Zeiten auf der Insel Corsica in Ausübung gewesen zu sein.1812 waren acht derartiger Hütten im Betrieb, 1820 sechs, 1828 vierund heutigen Tags kommt sie nur noch auf einigen unbedeutenden Wer-ken hin und wieder zur Anwendung.
Das Erz, welches benutzt wird, ist der bekannte Eisenglanz vonElba, welchen man in grossen Stücken nach Corsica bringt und auf Maul-thieren zu den Hütten führt. Er wird geröstet, um ihn spröder zumachen und dann mit der Hand in Stücke gebrochen. Das Brenn-material ist Holzkohle, vom ächten Kastanienbaume herrührend. DerWind wird durch ein Wassertrommelgebläse ( trompe , tine) mit etwa7 Meter hohem Einfallrohr erhalten. Der Hammer aus verstähltem Schmied-eisen, im Gewichte von 144 Kilogrm., wird durch Wasserkraft bewegt.Auch der Ambos besteht aus verstähltem Schmiedeisen, wiegt 80 Kilogrm.und wird von einer etwa 1000 Kilogrm. schweren Masse Gusseisen ge-tragen.
Das Feuer ist in den folgenden Zeichnungen (Fig. 38 bis 40 a. f. S.)dargestellt. Es besteht aus einem flachen Mauerwerk, welches sich biszu passender Höhe über die Hüttensohle erhebt. Vorn begrenzt den dar-auf errichteten Heerd eine kleine verticale Mauer, an der linken dieFormwand, ähnlich wie beim cataloni'schen Feuer. In der Vorderwand isteine bewegliche Eisenplatte angebracht (Fig. 38), in der sich ein Stich-loch befindet. Die Form besteht in einer conischen Röhre von Kupfer,das Auge (eye) derselben, d. h. die vordere Oeffnung ist kreisrund, 0,031Meter im Durchmesser und ragt bei einem Stechen von 20° 0,28 Meterin das Feuer hinein. Die gemauerte ’ Sohle wird stets mit einer sehrstarken Schicht Holzkohlenlösche bedeckt gehalten.
Wenn der bei der letzten Charge gebildete Deul herausgenommenworden und das Feuer durch aufgegossenes Wasser ausgelöscht ist, sowerden die grösseren zurückgebliebenen Holzkohlenstücke entfernt unddurch Anlassen des Gebläses die Abkühlung beschleunigt; die im Heerdbefindlichen Massen werden aufgebrochen und alle etwa vorhandenenSchlacken sorgsam entfernt. Hierauf wird eine halbellipsoidische Ver-tiefung, ein Löscheheerd, rund um die Form in dem zurückgebliebenenan gefeuchteten Kohlenklein gemacht; der Boden dieses Heerdes liegt0,11 Meter unter der Mündung der Form, die ihn bildende Kohlenlösche
*) Notice sur la fabrication du fer en Corse. Par M. Sagey, 1828. Annal.d. Mines, 2. ser. 4. pp. 121—144. Das Wichtigste aus der Eisenhüttenkunde von•1. H. Hassenfratz. Leipzig, 1822, p. 324. Ein weiteres Werk führt den TitelMemoire sur la maniere dont on extrait en Corse le fer. Par Du Coudray.Paris, 1775. 8vo. Vergl. auch Karsten, Eisenhüttenk. 4. S. 301.