Der Osmund-Ofen.
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Zwischen die Luppenfeuer und den Stückofen stellen deutsche Metallur-gen noch einen Ofen von mittlerer Höhe, den sie als Blaseofen oderBauernofen zu bezeichnen pflegen 1 ), welcher früher namentlich in Nor-wegen und Schweden angewendet wurde, und obwohl er dort allerdingsschon seit einem Jahrhundert ausser Gebrauch gekommen ist, doch nochjetzt in Finnland benutzt werden soll 2 ). Man pflegt diese Art von Oefenmittlerer Höhe auch als Osmund-Oefen (Osmund furnace), vom schwedi-schen Worte Osmund, welches den darin gewonnenen Wolf bezeichnet, zunennen.
a. Der Osmund-Ofen.
Die folgenden Nachrichten über den Osmund-Ofen verdankt derVerfasser seinem Freunde Andreas Grill. 1732 beauftragte die könig-liche Eisenhüttenbehörde einen ihrer Bergbeamten damit, eine genaueBeschreibung des Osmundprocesses, welcher damals nur noch in einerProvinz Schwedens ausgeübt wurde, anzufertigen, und zu diesem Zweckebereiste derselbe jene Gegend. Seine Beschreibung war mit einer Origi-nalzeichnung vtrsehen, welche den Ofen, die dabei angewendeten Gezähe-stücke u. s. w. darstellt, und nach dieser sind auch die nachstehendenHolzschnitte ausgeführt worden. Auch Swedenborg giebt in seinemgrossen Werke über das Eisen eine Beschreibung des Osmund-Ofens,welche er nach seiner Angabe einer Schrift des Schweden Peter Lax-holm 3 ) entnommen hat. Auch er giebt eine Zeichnung, welche in allenwesentlichen Theilen der von Grill identisch ist und daher ohne Zweifelvon demselben Original copirt ist.
Beschreibung des Holzschnittes Fig. 41 (a. f. S.), wie sie im Originalgegeben ist.
A Haufen von ungeröstetem Raseneisenerz. B Rösthaufen auf Holz.G Haufen gerösteten Raseneisenerzes. I) Erdbohrer zum Schürfen nachErz. E Holzkohlenrechen. F Eisenschaufel. G Zange, um die Osmund-luppe aus dem Ofen zu ziehen. II Schlackenhaken, gleichfalls beimHerausnehmen der Luppe gebraucht. K Brechstange zur Reinigung desSchlackenloches und der Formöffnung. L Grosser Schlägel, zum Behäm-mern der aus dem Ofen kommenden Luppe. M, M der Eisenklumpen( blästra ) oder Osmund, zum Theil zerspalten. N die Axt. 0 die Trittezur Bearbeitung der Balgen. P Brücke aus Brettern. Q Stichloch fürdie Schlacke. B Form. S Holzschaufel zum Aufgeben des Erzes in denOfen.
Im Allgemeinen wird aus den Holzschnitten die Construction desOsmund-Ofens hinlänglich klar zu ersehen sein. Swedenborg giebteinen horizontalen Durchschnitt durch die Mitte der Form, aus dem her-
') Lehrb. der Probir- u. Hüttenkunde. Wehrle, 1844. 2. S. 116 n. Karsten,IV. S. 285. — 2 ) Aehnlich gebaute Oefen, in welchen indessen Roheisen erzeugtwird, existiren noch jetzt in Schweden, z. B. in der Nähe von Robertsholra beiGeile und bei Nora. — s ) Regnum Subterraneum sive Minerale. 1734. p. 119.
Percy, Metallurgie. II. 36