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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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563
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Der Osmund-Ofen.

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Das in dem Osmund-Ofen verschmolzene Erz war Raseneisenstein,welcher im Wesentlichen bekanntlich aus Eisenoxydhydrat besteht. Hin-sichtlich der Art des Vorkommens und der Gewinnung giebt Sweden-borg eine eingehende interessante Beschreibung, aus welcher das Fol-gende entnommen ist.

Ueberall in Schweden, sowohl im nördlichen als im südlichen Theiledes Landes, wird das Erz vom Boden der Seen und Ströme gewonnen.Man bezeichnet es als Seeeisenerz (vena lacustris ferri). Das in An-germannia vorkommende wird als uneben von Structur, oder schwamm-artig, von brauner Farbe (cöloris bruni), zerreiblich zwischen den Fin-gern und im Bruche geschnittenem Leder gleichend beschrieben. Estritt in einzelnen Stücken von verschiedener Form und zuweilen von derGrösse eines Handtellers auf, und in runden Körnern von der Grösseeines Gersten- oder Weizenkorns, oder auch einer Bohne; es wird nichtfern von den Ufern gefunden und ersetzt sich im Verlauf von 20 bis30 Jahren wieder. Während des Sommers wird das Erz von Bootenaus mit Hülfe von Schleppnetzen gesammelt, während des Winters dagegendurch Löcher, welche in das Eis gehauen worden waren, heraufgeholt.In ganz Smäland und den anstossenden Provinzen sind derartige erz-führende Seen, welche ein reichliches Material für die Roheisenerzeu-gung auf gewöhnliche Weise liefern. Swedenborg sagt darüberpoetisch: hic Mars uvidus amat. fundos Jacuum. Im trocknen Zustandeist es leicht und porös, als enthielte es wenig Metall, aber doch ist esreich daran. Die Erze wechseln sehr in Bezug auf Reichthum und Güte,eine Art giebt die schlechteste, die andere die beste Sorte Eisen.

Die schwedische Abtheilung der Weltausstellung zu London im Jahre1862 enthielt eine interessante Sammlung von Seeerzen, welche mit einerBeschreibung von C. W. Sjögreen begleitet war, der das Folgende ent-nommen ist 1 ).

Unter den hauptsächlich in den Seen und Strömen Smälands vor-kommenden Erzen kann man fünf Varietäten unterscheiden. Alle habeneine concretionäre Structur und werden nur nach der Aehnlichkeit inForm und Grösse ihrer. einzelnen Theilchen mit Gegenständen des ge-wöhnlichen Lebens bezeichnet, als:

1) Perlerz ( pearl-ore ), mit 45 Proc. Eisen, ist sehr hart und schwer,auf dem Bruch dunkelbraun, ölig glänzend; es kommt hauptsächlich aufschlammigem oder thonigem Boden vor.

2) Klettenerz ( bur-ore ) hat seinen Namen nach der Frucht der Klet-tendistel; es ist etwas schwammig, sehr leicht und giebt selten über 30Proc. Eisen; es zerbricht leicht und zerbröckelt beim Trocknen; es wirdvorzüglich auf grasigem Boden gefunden.

1 ) On the Swedish Lake-Ores, in Illustration of samples sent to the GreatExhibition in London, 1862. By C. W. Sjögreen. Ekesjö, 1862. Siehe auchBeiträge zur genaueren Kenutniss des Eisenhüttenwesens in Schweden. Von Dr.Moritz Meyer. Berlin, 1829. pp. 191195.

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