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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Der Stückofen.

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Exportartikel höheren Werth erlangt hat; zweitens erfordern sie verhält-nissmässig reiche EVze, weil einerseits der grosse Verlust an Eisen, welches indie Schlacken geht, nur hei solchen ein den Arbeitslöhnen entsprechend hohesAusbringen ergiebt und weil andererseits nur solche Erze durch die Renn-arbeit zu Gute gemacht werden können, welche wenig erdige Bestandtheileenthalten, d.h. wenig Schlacke geben, dabei reichlicher Schlackenbildung dasgebildete Eisen der Einwirkung der Gebläseluft entzogen, sich kohlen undin Roheisen übergehen oder aber bei stetigem Ablassen der Schlacken zumgrossen Theil mit verschlackt werden würde; drittens kann man nurverhältnissmässig kleine Mengen im Verhältniss zu der Länge der auf-gewendeten Zeit produciren, weil die sämmtlichen Processe in Folge derNoth Wendigkeit die fertige Luppe aus dem Ofen oder Heerde zu ziehen,nicht ununterbrochen betrieben werden können; viertens erhält man inFolge der von zahlreichen Umständen abhängigen ungleichmässigen Tem-peratur bald Schmiedeisen, bald Stahl, bald Roheisen, bald zwei dieserProducte vereinigt und muss häufig noch weitere Operationen mit derLuppe vornehmen, ehe sie ein brauchbares, zu Handelswaare verarbeit-bares Erzeugniss liefert.

Hieraus ergiebt sich, dass eine Production von grossen Mengeneiner bestimmten Eisensorte durch irgend eine der beschriebenen Me-thoden nicht möglich ist, und daher ist nicht nur mit dem Schwindender Wälder, sondern auch mit dem Steigen des Begehrs nach Eisen einederselben nach der anderen zu Grunde gegangen.

Wenn nun aber, wie noch Karsten 1841) anführt, auch in neuererZeit Vertheidiger der Rennarbeit aufgetreten sind, so hat das seinenGrund in der Vorzüglichkeit des erzeugten Eisens oder Stahls im Gegen-satz zu einem aus gleichem Material auf mittelbarem Wege durch Zwi-schenbildung von Roheisen erzeugten Producte. Dies rührt von zweiDingen her. Erstens ist das Eisen bei einer verhältnissmässig niede-ren Temperatur erzeugt, bei welcher das Oxyd desselben sich zwarreducirt, dagegen die übrigen schädlich einwirkenden Bestandtheile un-reducirt bleiben und verschlackt werden. So wird namentlich die Phos-phorsäure der Erze nicht reducirt und nicht in das Eisen übergeführt,während der bei dem gewöhnlichen Processe einmal in das Roheisenübergeführte Phosphor sehr schwierig wieder zu entfernen ist. Zweitensist das Eisen stets mehr oder minder lange Zeit dem oxydirenden Ein-flüsse des Gebläsewindes ausgesetzt, es wird hierdurch freilich ein grosserTheil Eisen verschlackt, aber zugleich auch wieder der grösste Theil deretwa in das Eisen gegangenen nachtheilig wirkenden Bestandtheile, Sili-cium, Schwefel u. s. w. Hierbei geht allerdings auch gewöhnlich der grössteTheil des Kohlenstoffs, welchen das Eisen aufgenommen hatte, verlorenund daher ist es leichter, im Allgemeinen ein gutes sehniges, weichesEisen, als Stahl mittelst der angeführten Methoden herzustellen.

*) Eisenhüttenk. IV. S* 281.