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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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585
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Chenots Methode.

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Die Gesammthöhe des Ofens von der Hüttensohle ist 13 Meter, von demBoden des Schachtes 14,20 Meter. Der untere Theil der Retorten er-weitert sich etwas nach unten, um das Herausfallen des reducirten Guteszu erleichtern '). Um jede Retorte zieht sich eine Reihe verticaler Züge,welche unten mit den Rosten communiciren und oben mit einem weitenCanal in die Luft münden. Die ganze Construction ist fest mit Schmied-eisen verankert. Die Ziegeln, welche die Retorten bilden, sind nach obenmit einer Leiste (Feder), nach unten mit einer Nuthe versehen, um seit-liche Verschiebungen zu verhindern.

Würde das reducirte Eisen noch heiss oder nur warm mit der Luftin Berührung kommen, so würde es verbrennen, d. h. wieder oxydirtwerden. Um dies zu verhüten, ist am Boden der Retorten ein recht-eckiger Behälter aus Blech von 0,002 Meter Dicke und 4,50 Meter Längeangebracht, der zur Abkühlung dient und daher refroidisseur ( cooler )genannt wird. Unter demselben befindet sich ein zweiter Behälter ausGusseisen, der an einer Seite mit Löchern versehen ist, um die Stäbeeines Rostes durchzulassen, und an der anderen Seite einen Vorsprungoder eine Vertiefung hat, um den Enden der Roststäbe als Unterlage zudienen.

Es sind 50 solcher Roststäbe angebracht, von je 0,018 Meter imDurchmesser und 0,020 Meter Zwischenraum. Der Kühler kann, wenn dasnöthig ist, von einem Mantel umgeben werden, innerhalb dessen ein Stromkalten Wassers circulirt, um die Abkühlung des reducirten Eisens zubefördern und die Durchbringung einer grösseren Zahl von Chargen inderselben Zeit zu gestatten. Unterhalb des Kühlers und im Niveau derHüttensohle läuft auf Schienen ein Wagen, dessen Boden beweglich istund sich vermittelst eines horizontalen an einer verticalen Axe beweg-lichen Hebels heben und senken lässt. Soll der Ofen entleert werden, sowird der bewegliche Boden des Wagens bis zu den Roststäben gehobenund von letzteren einer nach dem anderen herausgezogen. Dann wirdder Boden des Wagens wieder zu seiner ursprünglichen Stellung gesenktund zugleich mit ihm fällt das reducirte Eisen aus dem Ofen und fülltden Wagen.

Die Gesammtkosten eines solchen Ofens einschliesslich Ziegeln, Eisen-werk, Arbeitslohn u. s. w. werden auf 11,500 Francs oder 3066 Thalerveranschlagt. Die folgenden Details beziehen sich auf die mit nur einerRetorte versehenen Oefen zu Hautmont, von 1,50 Meter lichter Längeund 0,50 Meter Breite. Die Arbeitslöhne für die zwölfstündige Schichtsind:

Für einen Feuermann, der zwei Oefen bedient .... 3 Fr. = 24 Sgr.

Aufgeber und Auszieher.2 = 16

Arbeiter, der das Erz anfährt und zerkleinert 2 = 16

Knaben, der die Beschickung siebt .... l l /j = 12

Zusammen . . 8% Fr. = 2 Thlr. 8 Sgr.

') Man sieht, das Ganze hat einige Aehnlichkeit mit den im ersten Bande ab-gebildeten und beschriebenen Appoltsehen Koksöfen.