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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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608
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Schmiedbares Eisen ans Erz.

einer leicht schmelzbaren Kohlenstoffverbindung umzuwandeln, einerVerbindung, die zugleich mit den Gangarten und Zuschlägen (der Schlacke)schmilzt und sich in flüssigem Zustande leicht von jener sondert. DieseSonderung der Gangarten geschieht nach dem directen Proeesse in einerbesonderen Manipulation, hei welcher das reducirte poröse fast unsclimelz- |bare Eisen sehr leicht heftiger Oxydation ausgesetzt ist. Das oxydirte Eisen !ist aber für das Ausbringen verloren. Mit anderen Worten findet also die |Scheidung der Gangarten vom Eisen beim directen Proeess auf Kosten der iQuantität des Eisenfe statt, beim in directen Proeess aber auf Kosten derQualität; dort verliert man Eisen, hier nimmt das Eisen Kohlenstoff auf.Das verlorene Eisen bleibt verloren, den aufgenommenen Kohlenstoff kannman dagegen leicht durch den Frischprocess wieder entfernen. Die Son-derung wird beim indirecten Proeess, wo man es mit zwei flüssigen Sub-stanzen zu thun hat, eine weit vollständigere sein, als beim directen, wodas Eisen höchstens teigig wird. Im ersteren Falle kommt auf gewisseSchwankungen im Temperaturgrade wenig an, im letzteren sehr viel,denn dort wird das Eisen nur mehr oder weniger gekohlt, mehr oderweniger frei von fremden Substanzen sein, hier wird jede Ueberschreitungder normalen Temperatur eine Sinterung und damit einen Eisenverlust,eine Verminderung derselben eine unvollständige Reduction, d. h. wiedereinen Eisenverlust veranlassen. Der Gründe zum Temperaturwechselninnerhalb geringer Grenzen giebt es aber so viele, dass man in derPraxis ihrer nicht immer Herr bleiben kann. Ein Eisenverlust findetbeim indirecten Proeess im Hohofen fast gar nicht statt, wohl aber beim ,Frischen. Hier erreicht er aber niemals denjenigen, welchen alle direc-ten Methoden aufzuweisen haben, weil ein grosser Theil des oxydirtenEisens durch den Kohlenstoff wieder reducirt wird, wie dies bei Be-schreibung des Frischprocesses näher erläutert werden wird und weildas flüssige Roheisen von Schlacke fast so lange bedeckt und umhülltbleibt, bis die Entkohlung den richtigen Grad erreicht hat und das Eisennur noch im teigigen Zustande existiren kann, während bei dem Schweissendes reducirten Eisens die Schlacke erst nach und nach flüssig wird unddas niemals flüssige Eisen so lange unbedeckt der Einwirkung der Oxy-dation ausgesetzt ist.

Fasst man die Erfolge der beschriebenen älteren und neueren Renn-arbeiten zusammen, so findet man, dass die Abscheidung der Gangartenauf zwei Weisen erfolgen kann.

1) Man stellt eine so flüssige Schlacke her, dass dieselbe bei einerTemperatur, welche nur wenig höher ist als die zu einer Reduction er-forderliche, verhältnissmässig geringe Temperatur, schmelzbar ist. Dies istbei allen älteren Rennarbeiten, sowohl im Heerde wie im Schachtofen,der Fall. Die Leichtflüssigkeit wird aber dabei durch Aufnahme von |Eisenoxydul bedingt, ist also stets mit Eisenverlust verbunden. Das |Schweissen findet dann in demselben Apparate statt, wobei die Schlacke