Cap. III. lieber das Argument.
207
Denn eine andere Vorstellung kann eben keinMensch mit solcher Function verbinden. Wennes weiter heisst: ein beweglich gedachter Punct durch-läuft alle Werthe zwischen den Puncten a und b , soist auch dieser Ausdruck empiristisch zulässig, wenn er nichtsanderes besagt, als dass in der Strecke (a, b) kein besondererPunct gedacht werden kann , mit dem der bewegliche, d. i.unbestimmt gelassene Punct nicht identificirt werden könnte,und analytisch reicht dies in allen Fällen aus. Auf diesebeiden Vorstellungen lassen die analytischen Vorgänge stetssich zurückführen.
Hier könnte übrigens den Idealisten die Lust anwandeln,den Streit mit dem Empiristen fortzusetzen. Er könnteihm Vorhalten, »dass er durch seinen Verzicht auf Vorstellungs-fremdes dem combinirenden Denken nur ein dürftiges undsogar ungenügendes Gebiet übrig lasse. Denn wie wolle ersich z. B. mit der Mechanik abfinden, da doch die unverän-derliche Bahn gleichzeitig alle Puncte enthalten müsse, dieder bewegliche Punct durchläuft, der Begriff Bahn also dasidealistische Zahlencontinuum enthalte?« Worauf der Em-pirist etwa entgegnen dürfte: »Er bestreite ja keineswegs,dass seine Kritik der Voraussetzungen eine grosse Beschrän-kung des Denkgebietes zur Folge habe, auch läugne er nir-gends das Vorhandensein des Unvorstellbaren. Nur sei diesin seinen Augen kein Gegenstand mathematischer Speculation.Gewiss sei die Stetigkeit etwas irgendwie Vorhandenes undhöchst Geheimnissvolles. Ein bewegter Punct auf fester Bahnbefinde sich zu jeder Zeit an einer Stelle der Bahn, bedeute inseiner jedesmaligen Lage einen festen Argumentwerth, und nehmejeden besonderen Argumentwerth zwischen den Enden der vonihm durchlaufenen Bahn wenigstens einmal an. Das sei alles,