Buch 
[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde II] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
Entstehung
Seite
410
JPEG-Download
 

410

Der Hochofenprocess.

I. Vorbereitung der Materialien.

A. Die Vorbereitung der Erze.

Die Erze werden auf dreifache Weise vorbereitet, ehe sie in den Hoch'ofen gelangen: sie werden geröstet, ausgelaugt und einer mechani'sehen Aufbereitung, namentlich einer Zerkleinerung unterworfen-Nicht alle Erze erleiden alle drei Arten der Vorbereitung, manche Erzekommen sogar unmittelbar in dem Zustande, wie sie die Grube liefert, inden Hochofen. Wenn alle drei Vorbereitungsarbeiten angewendet werdeniso erfolgen sie doch nicht immer in der angegebenen Reihenfolge, sonderndas Zerkleinern geht zuweilen dem Rösten, zuweilen dem Auslaugenvoraus; auch ist häufig mit der Röstung eine gleichzeitige Zerkleinerungverbunden; hin und wieder endlich wird eine der drei VorbereitungS'arbeiten wiederholt, z. B. ein Erz vor und nach dem Rösten zerkleinert,oder vor und nach dem Auslaugen geröstet.

1. Röstung der Eisenerze.

Unter Röstung der Eisenerze versteht man eine Erhitzung derselbenbis zu einer Temperatur, bei welcher noch keine Schmelzung eintritt.

Diese Temperatur kann nach der Beschaffenheit des Erzes eine sehrverschiedene sein. Reines Eisenoxyd (z. B. Eisenglanz) schmilzt bei denhöchsten in der Praxis erreichbaren Temperaturen noch nicht), Eisen"oxydoxydul (z. B. Magneteisenstein) ist nur bei hohen Temperaturenschmelzbar 2 ), jede der angeführten beiden Eisenverbindungen giebt aber,mit Kieselsäure (z. B. in Form eines quarzhaltigen Eisensteins) erhitzt,schon bei massiger Hitze schmelzende Silicate.

Bei der Röstung der Eisenerze verfolgt man einen doppelten Zweck-Entweder liegt es in der Absicht, die physikalische Beschaffenheit dersel'ben in solcher Weise zu ändern, dass ein im rohen Zustande schwer zuzerkleinerndes Erz mürbe, oder ein dichtes, der Einwirkung von Gasen uiseinem Innern schwer zugängliches Stück porös gemacht wird; oder aberes soll die chemische Zusammensetzung des Erzes geändert werden. Mitder zweiten Art der Veränderung fällt gewöhnlich die erste zusammen,mit der ersten nicht immer die zweite. Die Aenderung in der chenU'sehen Zusammensetzung, welche sich meistens nicht nur auf das eigent'liehe Erz, d. h. die Eisenverbindung, sondern auch daneben, oft auchausschliesslich auf dessen Beimengungen und Verunreinigungen, also aufdie Gang- und Lagerarten, die eingesprengten Mineralien u. s. w. bezieht,beruht nämlich hauptsächlich auf Abgabe flüchtiger Stoffe und Verbin'düngen und bewirkt hierdurch gleichzeitig ein Poröswerden des Erzes-Andererseits wird das Erz ohne weitere chemische Veränderung schondurch das einfache Verdampfen des in Folge der Förderung, des TranS'ports und der Lagerung ihm anhaftenden hygroskopischen Wassers in vielen

') Vergl. Abtlil. I, S. 20. 2 ) Vergl. Abtlil. I, S. 25.