Buch 
[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde II] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
Entstehung
Seite
456
JPEG-Download
 

456 Der Hochofenprocess.

rialien muss daher für jede Erzgrösse und Ofenform durch die Erfahrungfestgestellt werden.

Diese Vertheilung geschieht gewöhnlich durch das Auseinanderziehender in den Ofen gestürzten Materialien mittelst eiserner Kratzen oderHarken; doch kann man, wie erwähnt, auch durch richtig angewendetemechanische Hülfsmittel eben dasselbe mehr oder weniger vollkommenerreichen und macht sich dann unabhängiger von der Geschicklichkeitund der Aufmerksamkeit der Aufgeber.

Das Ausziehen (der Auszug, Erzzug, täking), das Herausnehmendes fertig gerösteten Erzes aus dem Ofen ist eine sehr einfache Arbeit,welche nur die Aufmerksamkeit verlangt, zur rechten Zeit mit derselbenaufzuhören, damit nicht ungerüstetes oder zu schwach geröstetes Erzaus dem Ofen komme. Beginnt man zu ziehen, so ist das zuerst aus demOfen gelangende Erz meist ziemlich oder ganz kalt, weil das zu unterstbefindliche Brennmaterial in derZeit der Ruhe zwischen zwei aufeinanderfolgenden Erzzügen leicht Gelegenheit fand, ganz auszubrennen; dasnachfolgende Erz ist aber noch warm und nimmt an Temperatur zu, jehöher die Ofentheile liegen, aus denen es stammt. Man pflegt im Allge-meinen so lange zu ziehen, bis glühendes Erz und damit noch brennen-des, also unverzehrtes Brennmaterial erscheint. Sobald unten gezogenist, wird der Ofen oben wieder bis zur Gicht nachgefüllt. Wie viel Erzgleichzeitig gezogen wird, hängt von der Betriebsmethode ab. Zieht manjedesmal den Gesammtinhalt des Ofens, so wird der Betrieb ein unter-brochener (intermittirender). Es kommt aber auch vor, dass nur bei-nahe die ganze Füllung des Ofens mit einem Male aus dem Ofen gelangt,so z. B. in Ilsenburg, und dann hat man eine Zwischenart zwischen inter-mittirendem und continuirlichem Betriebe. Rationeller ist es freilich, dieOfenhöhe so einzurichten, dass nur immer etwa 1 / 4 bis Y 5 der Ofenfül-lung herausgenommen wird, weil dann die Abkühlung des Ofens keinezu starke, also die Ausnutzung der in den Ofenwänden aufgespeichertenWärme eine bessere ist. Eine immerwährende allmälige Ausleerung imunteren Theile des Ofens und ein ebenso stetiges Nachfüllen an der Gichtwäre allerdings für die Ausnutzung der Wärme das Richtigste, aber eswürde damit eine sehr unvortheilhafte Arbeitstheilung verknüpft sein.Man benutzt nämlich die Röstarbeiter zugleich zum Scheiden der rohenErze, zum An- und Abfahren und dergl. mehr, was sie bei nicht ganzfortlaufendem Betriebe in den Zeiten zwischen jedesmaligem Aufgebenund Ziehen sehr gut besorgen können. Uebrigens pflegt man gern dieNachtarbeit, welche stets nur als Nothbehelf dienen sollte, da sie überallunvortheilhafte Leistungen giebt, ganz zu vermeiden, und deshalb Abendsdie Oefen ganz voll, ja übervoll zu laden und erst am nächsten Morgenwieder zu ziehen.

Störungen im Betriebe des Röstofens kommen einmal dadurch vor,dass der Ofen zu kalt geht; dann muss das noch nicht fertig geröstete