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Gebrauche um einen festen Punkt, den Pol, drehen; derErfinder dieser Instrumente ist Herr Professor Amsler-Laffon am Gymnasium in Schaffbausen, und es wurde seineErfindung im August 1855 vom Ministerium de l'Agricul-ture, du commerce et des travaux publics in Paris paten-tirt. Die Jury der schweizerischen Industrieausstellungvom Jahr 1857 hat der Erfindung dieser Instrumente diehöchste Anerkennung durch Erlheilung der goldenenMedaille zuerkannt. Auf der Pariser Ausstellung von1867 stellte Herr Amsler-LalFon einen Planimeter undeinen Integrator aus. Dem Schweiz . Berichte*) ent-nehmen wir Folgendes: «Seit der letzten Ausstellung wur-den in der Fabrikation und Adjustirung der Planimeterwesentliche Fortschritte gemacht, wodurch eine grössereGenauigkeit und Zuverlässigkeit des Instrumentes erzieltwurde. So einfach der Planimeter ist, so erfordert seineAnfertigung doch in mehrfacher Beziehung eine minutiöseSorgfalt, und erst vieljährige Uebung lehrt alle die kleinenSchwierigkeiten beseitigen. Mehrere Staaten haben das-selbe offiziell beim Kataster eingefuhrt (Preussen, Italien ).N on den verschiedenen zur Ausstellung gebrachten For-men des Planimeters ist eine neu und speziell dazu be-stimmt, die mittleren Ordinaten der Diagramme ohne Rech-nung zu finden, welche mittelst dem Watt sehen Indikator,Dynamometern und andern selbslregistrirenden Instrumen-ten erhalten werden. (Man stellt das Instrument auf dieLänge des zu berechnenden Diagramtnes ein und umfährtdie Figur mit dem Fahrstift, die Ablesung an der Zählrollegibt unmittelbar die mittlere Breite oder Ordinate des Dia-grammes an.) In Deutschland und namentlich in Frank reich sind bereits eine grössere Anzahl solcher Instru-mente in Gebrauch.
Der Integrator, auf dem nämlichen Prinzipe beru-hend, wie das Planimeter, wird in ähnlicher Weise ange-wendet, wie dasselbe, erfüllt aber einen allgemeinenZweck. Das Instrument ist mit einem Fahrstift und dreiLaufrollen versehen. Umfährt man mit dem Fahrstift eineFigur, so erhält man aus den Ablesungen an den3 Laufrollen den Flächeninhalt, das statischeMoment und das Trägheitsmoment der Figur,letztere beide bezogen auf eine beliebig gewählte Axe.(Die hiezu nöthigen Rechnungen sind zwei Multiplicationenund eine Addition.)
Da bei Berechnung der relativen Festigkeit von Balkendiese drei Elemente ermittelt werden müssen, so kann dasInstrument hierbei mit grossem Vortheil benützt werden,namentlich dann, wenn complicirte Querschnitte das ge-wöhnliche Verfahren mühsam machen.
Auch in der Ballistik könnte das Instrument vortheil-haft zum Studium der Geschossformen benutzt werden.
Es wurde dem Aussteller und Erfinder Herrn Amslereine Silbermedaille zu Theil.»
Modificationen erhielt die Amsler’sche Erfindungdurch Bouniakovsky in Petersburg und Decherin Augsburg . Bemerkenswerth ist die Mitlheilung, welche
*) Berichte üb. d. Betheiligung der Schweiz an der Internat. Ans*Stellung von 1867. Bern , 1868. S. 45.
Bauernfeind*) macht. Derselbe sah nämlich im Jahre1856 in der Werkstälte des polytechn. Instituts in Wien ein mit dem Amsler’schen bis auf eine Kleinigkeit über-einstimmendes Polarplanimeter, welches nach den im Jahrevorher gemachten Angaben des Bergmeisters Schmid inLoeben von Starke verfertigt war. Sorgfältige Nachfor-schungen stellten heraus, dass hier zwei Personen gleich-zeitig eine und dieselbe Idee und Form eines Instrumenteserfunden haben, ähnlich wie es sich mit dem Hermann’-schen und dem Oppikofer’schen Planimeter verhält.
Beschreibung des Polarplanimeters.
Das Instrument ist in Fig. 1, Taf. 16, abgebildet undhat 4 Hauplbeslandtheile: Das Gestell H, die prismatischenArme A und B und die stählerne Laufrolle D. Der obereTheil des Gestelles H ist hohl und hat auf einer Seile 4federnde Schlitze, durch ihn geht der ebenfalls hohle ArmA verschiebbar; auf der den Schlitzen entgegengesetztenSeite des Armes A sind vertikale Striche und danebenMasseinheiten verschiedener Länder aufgeschrieben, aufder oberen Fläche dieses Armes stehen correspondirendmit den Masseinheiten gewisse Zahlen, Consta nte, vondenen wir weiter unten reden werden; je nachdem dieAngabe des Instrumentes für das eine oder andere Masssein soll, muss der Arm A so verschoben werden, bis diekleine Hülse bei R mit ihrem vorderen Rande an dem be-treffenden vertikalen Striche steht; um diese Einstellungmit aller Schärfe vornehmen zu können, ist die kleine Hülsedurch eine feingeschnitlene Schraube, welche durch Drehenbei N bewegt wird, verschiebbar und wird nach erfolgterEinstellung durch das Druckschräubchen bei R, welchesauf eine kleine Feder wirkt, auf dem Arme A festgestellt.Am Ende des Armes A befindet sich der Fahrslift F.
Der Arm B trägt bei C eine kleine vertikale Axe, umdie er sehr leicht beweglich ist, da dieselbe mit feinenStahlspitzen im Gestelle sich dreht: Das obere Lagerdieser Axe bildet ein Stahlstückchen, welches in dem mes-singenen Gestelle eingelassen ist, das untere Lager da-gegen ist ein Stahlcylinder, welcher behufs Regulirungder leichteren oder strengeren Bewegung des Armes c auf-und abwärts fein bewegt werden kann: letztere Bewegungwird durch zwei Stahlschräubchen (Fig. 2, Taf. 16), vondenen das eine hebt oder senkt, das andere dann drückt,besorgt; geht nämlich der Arm B zu leicht, so lüftet mandas Schräubchen s, welches den Cylinder d festhält, undzieht das Schräubchen s 1 , welches mit seinem Kopf aufden Cylinder drückt, an; man bewirkt somit eine Annä-herung der beiden Lager der kleinen Axe a. Am anderenEnde E des Armes B befindet sich eine durch ein Druck-schräubchen festgehaltene feine Nadel, welche den Pol desInstrumentes repräsentirl und beim Gebrauche in das Pa-pier feslgesteckt wird; um den Pol noch gehörig fest-stehend zu machen, wird ein Gewicht über dem Pole auf-gesteckt.
Die Rolle D steht in fester Verbindung mit der hori-zontalen Axe bei G, welche wieder in feinen Spitzen en-
*) Elemente der Vermessungskunde, II. Aufl., S. 530, Anmerkung.