Flüssigkeit — Flugsand.
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Flüssigkeit (Tropfbarkeit), ist der zwischen dem Zustande der Festig-keit und Luflförmigkeit in der Mitte liegende Zustand eines Körpers, worinseine Theile zwar noch als ein einziger, ununterbrochen zusammenhängenderKörper erscheinen, sich aber leicht trennen und wieder vereinigen lassen. DenKörper selbst, der unter dieser Form erscheint, nennt man ebenfalls Flüssig-keit, oder richtiger Fluidum.
Flugsand, bildet die feinsten Abänderungen von Sand; seine Kör-ner besitzen oft kaum einen Durchmesser von ^ Linie; sie gehen ins un-bestimmt pulverförmig Feine über, wodurch sie im trocknen Zustande leichtdurch Winde gehoben und weiter geführt werden. Jeder nicht zu grobkör-nige Sand kann zu Flugsand werden, wenn er austrocknet, seine Bedeckungvon Dammerde und Gewächsen verliert, und dem Winde bloßgestellt wird.Er findet sich vorzüglich in Sandgegenden, wird aber auch in Verbindungmit Thon innig gemengt, nicht selten in den Ackererden getroffen. Er ent-hält außer Quarz, oft Kalk- und Thontheile beigemengt, wovon letzterezugleich von seiner Leichtigkeit beitragen. Ohne besondere Vorkehrungen istauf einem Boden, der aus Flugsand besteht, gar keine Vegetation möglich,und Trockenheit macht ihn zum Feldbau noch untauglicher. Hat der Flug-sand eine gelbliche oder weiße Farbe, so besteht er aus lauter Kieseltheilen,und seine Unbrauchbarkeit zum Feldbau ist um so größer. Besteht er aberin grauen, schwärzlichen oder bräunlichen Theilen, dann kommt seine Be-weglichkeit zum Theil mit von einer nicht ärmlichen Beimischung des Hu-! mus in gewöhnlich versauertem oder verkohltem Zustande her, und er ist> dann schon mehr der Mühe einer Verbesserung werth. Man darf aber mit! diesem letzterer Flugsande, den man auch Heideboden zu nennen pflegt, nicht1 den an Seeküsten vorgefundenen, oft auch schwärzlichen oder grauen Sandverwechseln, welcher seine Farbe wirklich von grauen Kieseltheilen erhält, wäh-rend die so gefärbten Theile des Heidebodens in staubigen und unkörnigenTheilen bestehen, die wie der Humus sich verhalten, da sie auch wirklicherHumus sind. Dieser Heideboden ist aber auch leichter und lohnender in ei-nen für den Feldbau tauglichen Zustand zu versetzen, als jener gelbliche undweiße Flugsand, der von aller und jeder Pflanzennahrung völlig entblößt ist.— Der Flugsand ist übrigens in den sandigen Ebenen des nördlichen Deutsch-lands oft so gefährlich, daß die Verhütung d.s dadurch entstehenden Scha-dens für den Forst- und Landwirth gleich wichtig ist. Denn ein flüchtiggewordener Sand verliert nicht bloß größtenthcils die eigene Tragbarkeit, son-dern überschüttet oft auch große Strecken fruchtbaren Landes, und raubt ih-nen ihre ganze Fruchtbarkeit. Die Ursachen, welche die Entstehung von Flug-sand im Binnenlands herbeiführen, sind gewöhnlich folgende: s) unvorsichtigeAbholzung sehr armer Sandrücken. Alle unbenarbten Sandhügel in derWinden freigestellter Lage dürfen daher nur durch ziemlich dunkel gehaltene Be-samungsschlage verjüngt werden, und das alte Holz ist, selbst wenn man da-durch Verlust am Zuwachs hat, nicht eher auszubauen, bis der junge An-flug den Boden genugsam deckt. Die Schläge dürfen unter diesen Verhält-nissen nicht zu groß geführt werden, damit die Hügel, wo die Gefahr großist, so viel als möglich so lange durch eine vorliegende Holzwand geschütztLeiben, bis sie wieder mit jungem Holze bedeckt sind. Das Auflockern desSandes ist hier möglichst zu vermeiden, b) Das Streurechen auf Boden,welcher Neigung zum Flüchtigwerden zeigt. Wo sehr schlechter Boden bloßnur Flechten und Nadeln bedeckt erscheint, ist das Streurcchen wegen der