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Erdbeben von Lissabon. Wer von beiden hat hier das Grausender menschlichen Seele bei solchen Vorfallen am Bessen ge-schildert?" — Indem wurde mir der Flügel einer Poularde mitTrüffeln gebracht. Der Duft davon reizte meine Zunge; aberich ließ sie unbefriedigt, um nur endlich der ihrigen Ruhezu verschaffen. Es gelang mir vortrefflich. — „Solche Ver-gleichungen," begann ich mit einer klugen Miene, „machenunstreitig ein großes Vergnügen; und derjenige unter denSchriftstellern, wie Madam sehr richtig bemerken, ist gewißder größere, der es am Besten versteht, durch die Magie derSprache unsere gesunkenen Empfindungen auf ihre erste Höhezu treiben, und sie uns gleichsam, wie auf Noten gesetzt, zurWiederholung des Spiels wiederzugeben. Wenn Büffonzum Beispiele denselben Schauer in Ihrem Herzen zu erregenweiß, den Ihnen diese schreckliche Naturbegebenheit zu der
Zeit verursachte, da sie vorging, so-" — „ Welche Natur-
begebenheit?" unterbrach sie mich hastig — „Des Erdbebensvon Lissabon," antwortete ich ganz unbefangen; und ohnemir eine Sylbe darauf zu erwiedern, drehte sie sich nach der
andern Seite. — „Ich meinte-" rief ich ihr nach; aber
sie that nicht als ob sie mich hörte, und ich verlor alle Hoff-nung, daß sie mir diesen groben chronologischen Irrthum sobald vergeben würde.
Ich war so verblüfft, daß eine Weile verging, ehe ich nurdaran dachte, daß ich auch zur linken Hand eine Nachbarinhabe. Die gelehrte Vielsprccherin hatte allein Schuld, daß