Band 
[Fünfter und sechster Band.]
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Seitenthüre des Kerkers — an dem Arme der Freundin, dersie, unter so Vielen, den Vorzug gegönnt hatte, ihrem Elendezu folgen — schwankte die Tiefgebeugte, wie ein abgeschiedenerGeist auf einen Engel gestützt, dem Gitter zu. Mit jedemlangsamen Schritte, durch den sie sich mir näherte, hob sichallmählich immer mehr der Schimmer ihrer Schönheit ausdem dunkeln Grunde des Gefängnisses heraus, bis mir —und ich glaubte unter der Last nie gefühlter Wehmuth zuversinken — die schlanke, ätherisch-bleiche — wunderschöneTrauergestalt deutlich vor den Augen stand. In weißenMousselin gekleidet, drückte sie mit der einen kraftlosen Handein Krucifix von Elfenbein an ihre bebende Brust — nochkraftloser floß die linke über den schwarzen Leibgürtel herab.Nach einigen fürchterlich stillen Sekunden senkten sich ihreglühenden, an den blauen Himmel gehefteten Augen, undbegegneten dem Thränenstrvme der meinigen. Sie starrte michan, erhob langsam ihre linke Hand, als ob sie nachsänne,und bald nachher ergriff der Tenor ihrer Klagstimme meintodtbanges Herz. O! daß ich jetzt vermöchte, dir das Seelen-gewitter in seiner ganzen schrecklichen Wahrheit zu schildern,unter welchem sich die Leidende stufenweise bis zum letztenzermalmenden Ausbruche ihres Wahnsinns erhob. EitlerWunsch! die geübtesten Wortführer der Natur würden daranverzweifeln. So höre wenigstens mich ihr nachlallen. Ach!über welches abgelaufene Zeitalter schwebte ihr Geist — aufwelcher Staffel der Vergangenheit mußte sie mich stehen sehen,