Band 
[Fünfter und sechster Band.]
Seite
39
JPEG-Download
 

39

bekommen, die sie wachend ausschlägt, und Verabredung mitihrer freiwillig Mitgefangenen nehmen, deren Beistand derarmen Verirrten wichtiger ist, als der meinige, und die sichgewiß schon eine ängstliche Weile nach mir umsieht. — Siesind innigst gerührt, mein Herr! Möge der Eindruck dieseserhabenen Trauerspiels Sie nicht nur aus unserer großensittenlosen Stadt, sondern bis zum Ausgange Ihres Lebensbegleiten, und Sie für die kummervolle Stunde entschädigen,die für so viele Leichtsinnige, die Sie schon sahen, verlorenwar. Reisen Sie glücklich und leben Sie wohl! —"

Ein Händedruck — denn der Sprache war ich nicht fähig— dankte dem ehrlichen Manne für seinen Trost und seineguten Wünsche. Ich umarmte den wackern Filbcrt, unaus-sprechlich bewegt, und setzte mich zwar höchst traurig, aberdoch mit einem Herzen, das sich fühlte und mit sich zuftie-den war, in die Sänfte, die Bastian herbeigeholt hatte. Ichbrauche Erholung, erklärte ich ihm beim Anssteigen, undkann unter zwei Stunden noch nicht abreisen — richte dichdarnach! Doch eben da ich im Begriff war, mein Zimmerzu verschließen, um ungestört meiner Schwcrmuth nachzu-hängen, trat mir der Maler mit seiner Zeichnung in denWeg. —-„Das, meinen Sie—" fuhr ich ihn nach dem erstenUebcrblick an, „stelle den leidenden Engel vor, von dem wirherkommen? Können Sie es bei Gott verantworten, so eineSudelei für Nachbildung seines herrlichsten Geschöpfes anzu-geben?" Doch — um den armseligen Wicht nickt ganz